Kommentar : Ein Mensch wird Superstar

Sebastian Vettel und seine größte Herausforderung: Er muss nach seinen fahrerischen Qualitäten auch seine Persönlichkeit unter Beweis stellen.

Christian Hönicke

Als Sebastian Vettel einen Tag vor seinem großen Triumph die Poleposition zum Großen Preis von China erobert hatte, trug sich in der Formel 1 ein seltenes Schauspiel zu: Ausnahmslos jeder Fahrer, der an ihm vorbei ging, schlug ihm auf die Schulter oder herzte ihn. Dabei junge Deutsche ist eigentlich etwas, das eigentlich nicht in die Formel 1 passt: ein Mensch. Einer, der sich bei seinem Gegenüber für sein Zuspätkommen entschuldigt, der sich selbst nicht zu wichtig und gern auch auf die Schippe nimmt, der sich für einen Gefallen bedankt, der auch wir sagt und nicht pausenlos ich. Einer, der erklärt, er brauche keine Jacht, er gehe lieber schwimmen. Und einer, der Fehler zugibt und sich dafür vorbehaltlos entschuldigt, bevor dies jemand verlangt hat.

Doch die Zeiten, da ihm die Konkurrenten auf die Schulter schlagen, werden bald vorbei sein. Allerspätestens seit seiner Demonstration in den Fluten von Schanghai ist klar, das der Red-Bull-Pilot auf dem Weg zum Superstar ist – und dabei werden ihm viele Prüfungen begegnen. Die meisten vermutlich auf der Strecke, doch die wichtigsten außerhalb des Autos: Er wird Neid auf sich ziehen und Missgunst, er wird in den Himmel gehoben werden, dann wieder fallen gelassen, es wird erst nach Spannendem, dann nach Schmutzigem aus seinem Leben gesucht werden.

Wenn Vettel die Prüfungen hinterm Lenkrad meistert, kann er Weltmeister werden. Aber wenn Sebastian Vettel es tatsächlich schaffen sollte, inmitten dieser brutalen Parallelwelt voller rücksichtsloser Selbstdarsteller ein sympathischer Mensch zu bleiben – dann wäre das wohl sein größter Triumph. Seite 25

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