Sport : Kommentar: Ein Zeckenbiss macht Geschichte

Benedikt Voigt

Es geschah 1994 in einem Waldstück bei Leverkusen. Die Mannschaft von Bayer Leverkusen trabte gemütlich durch den Forst, als eine Zecke sich von einem Blatt herunterließ und den Fußballspieler Andreas Neuendorf biss. Eine Woche nach diesem außergewöhnlichen Trainingsunfall landete Neuendorf mit einer lebensgefährlichen Blutvergiftung im Krankenhaus. Als der Fußballprofi wieder auf dem Weg der Besserung war, hatte er seinen Spitznamen weg: Zecke.

Die Zecke aus dem Leverkusener Forst schreibt Fußball-Historie. Sie darf sich gleich neben Jägermeister einreihen. Beide veränderten die Beflockung der Fußballtrikots. Doch während der Spirituosenhersteller in Braunschweig 1977 die Brustwerbung durchsetzte, kümmerte sich die Zecke aus Leverkusen um den Rückenaufdruck. Der von ihr gebissene Spieler, Andreas Neuendorf, hat beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) durchgesetzt, dass fortan anstelle des Nachnamens auch der Spitzname des Spielers auf dem Trikot prangen darf. So finden sich in der kommenden Saison auf einem Trikot von Hertha BSC neben der Nummer 20 auch die Buchstaben Z, E, C, K, und E. "Dass es geklappt hat, freut mich riesig", sagte Neuendorf gegenüber "Bild", "schließlich rufen mich alle Leute bei diesem Spitznamen."

Die Freude teilt er sich mit den Fernseh- und Radiokommentatoren. Nun dürfen auch sie hemmungslos die Spitznamen der Fußballer nennen, denn die Spieler sind durch den Aufdruck für Zuseher eindeutig zu identifizieren. Die Reportage der Bundesligapartie Hertha BSC gegen Energie Cottbus dürfte sich dann so anhören: Der Pistolero verliert den Ball an der Mittellinie, Hardi spielt zu Jolly, Jolly schickt den Langen steil. Dieser flankt auf Basti, Tor. Ja, wir sind der Meinung - das war Fantasti. Und auf der Tribüne dreht Tante Käthe gedankenverloren an ihren Locken.

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