Kommentar : Erschwerende Umstände

Friedhard Teuffel über den Dopingfall Fränk Schleck und die Situation der Tour de France.

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An ihren Ruhetagen findet bei der Tour de France die zweite Disziplin neben dem Radfahren statt: das Enttarnen der mutmaßlichen Doper. Am Dienstag traf es mit Fränk Schleck wieder einmal einen der prominenten Pedaleure. Der verteidigt sich mit den üblichen Worten, dass er sich das alles einfach nicht erklären könne. In keiner anderen Sportart funktioniert der Reflex so gut, die Abwehrhaltung eines Verdächtigen für lächerlich zu halten. Denn im Radsport gilt fast schon die Sippenhaft. Auf jeden Fall gilt es als erschwerender Umstand, gerade im Radsport mit einer positiven Dopingprobe erwischt zu werden.

Dennoch hat Fränk Schleck ein faires Verfahren wie jeder andere Sportler verdient. Sein Fall scheint auch nicht ganz so eindeutig zu sein, und es gab auch schon andere Radprofis, etwa den Brandenburger Danilo Hondo, die wegen eines zweifelhaften Testergebnisses gesperrt wurden. Die Initiative muss nun von Schleck ausgehen, er muss alles offenlegen, wenn er überhaupt seine Chance auf Straffreiheit erhalten möchte.

Dass die Tour de France sauberer geworden ist, lässt sich nicht beweisen. Immerhin hat der Führende der Tour, der Brite Bradley Wiggins, im „Guardian“ eine Rede auf die eigene – mögliche – Sauberkeit verfasst, wie man sie nur selten von einem Radprofi gelesen hat. „Wenn ich dopen würde, würde ich alles verlieren: meinen Ruf, meine Existenz, meine Ehe, meine Familie, mein Haus, alles, was ich erreicht habe. Ich würde meine Kinder ans Schultor in einem kleinen Ort in Lancashire bringen und würde von allen angeschaut in dem Wissen, dass ich betrogen habe. Ich erinnere mich noch daran, dass ich 2007 Ausrüstung von Cofidis in den Müll geworfen habe an einem kleinen Flughafen, an dem mich niemand kannte, weil ich nicht im Geringsten mit Doping in Verbindung gebracht werden wollte. Dann habe ich mir vorgestellt, wie das wohl in einer engen Umgebung wäre, wo jeder jeden kennt. Sport bedeutet mir nicht mehr, als alles andere, was ich habe. Die Tour de France zu gewinnen auf Kosten von allem anderem, ist es einfach nicht wert.“

Fränk Schleck muss sich fragen, ob das auch seine Wahrheit sein könnte.

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