Kommentar : Experimentelle Farbenlehre beim Tennis

Tennis auf blauem Sand? Das sieht nicht nur komisch aus, es spielt sich auch schwierig. Jörg Leopold erklärt, warum der Belag beim Turnier in Madrid ein Aufreger ist.

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In Madrid wird derzeit ein nicht ganz unbedeutendes Tennisturnier ausgetragen. Es geht um reichlich Weltranglistenpunkte und noch mehr Geld. Gleichzeitig ist die Veranstaltung aber auch ein Experiment unter Wettkampfbedingungen, denn erstmals spielen die Profis auf blauem Sand. Die Idee hatte Ion Tiriac, überzeugter Verfechter des großflächigen Schnauzbartträgertums und hierzulande noch bekannt als Manager von Boris Becker. Die Zuschauer könnten den Ball auf dem blauen Belag besser erkennen, lobt Tiriac seine Innovation.

Weniger glücklich sind die Spieler. „Für mich ist das kein Tennis“, sagte beispielsweise der Weltranglistenerste Novak Djokovic nach seinem Auftaktmatch. Es sei so rutschig auf dem Platz, dass er besser Schlittschuhe mitgebracht hätte. Rafael Nadal, der wohl beste Sandplatzspieler aller Zeiten schäumt ebenfalls. Vor allem darüber, dass die Profis vorab nicht befragt wurden, was sie denn von dem Untergrund halten würden: „Wir Spieler sind gegen den blauen Sand, aber die ATP hat sich trotzdem dafür entschieden.“

Die gute Nachricht für die Spieler ist, dass das Verfahren zur Umwandlung von roter in blaue Asche enorm kostenintensiv ist – weshalb es für viele Turnierveranstalter gar nicht erst in Frage kommt. Und angesichts der allgemeinen Kritik an den Tennisfunktionären könnte sich das Thema ohnehin schnell wieder erledigt haben. Oder wie es Novak Djokovic ausdrückt: „Das nächste Mal lade ich Chuck Norris ein, der mir dann zeigt, wie ich auf diesem Platz spielen soll.“ Der trägt zwar auch Bart, aber soweit wird es wohl nicht einmal Ion Tiriac kommen lassen wollen.

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