Kommentar : Fasten nur mit Erlaubnis

Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt hat drei muslimische Spieler wegen Fastens im Ramadan abgemahnt. Christian Hönicke kommentiert den Kampf der Kulturen im globalisierten Sport.

Christian Hönicke

Die Globalisierung bringt viele Vorteile mit sich und mindestens ebenso viele Nachteile. Da bildet der Profisport keine Ausnahme. Seit dem Wegfall nahezu aller nationalen Beschränkungen haben europäische Klubs die Möglichkeit, fertig ausgebildete Spieler aus nahezu allen Ländern der Erde unter Vertrag zu nehmen. Andererseits bringen diese Spieler neben den vergleichsweise moderaten Gehaltsforderungen eben auch den Vereinen unliebsamere Gewohnheiten aus ihren Kulturkreisen mit. Dies musste nun der Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt erfahren, der seine Spieler Soumaila Coulibaly, Pa Saikou Kujabi und Oualid Mokhtari abgemahnt hat. Die sind allesamt Muslime und haben ihrer Religion entsprechend während des Ramadans gefastet, was der Verein mit einer Vertragsklausel von seiner Zustimmung abhängig machen wollte.

Es ist nicht der erste Kulturenkampf im Sport – man erinnere sich an den Handballer Hany El Fakharany in Berlin. Doch er wirft geradezu symbolhaft die Kernfrage einer Welt auf, die keine Grenzen mehr kennt: Wer bestimmt wo die Regeln? Wenn immer mehr Menschen als Zeitarbeiter durch die Welt ziehen, muss ihnen nicht zum Beispiel die freie Ausübung ihrer Religion als Heimatanker zugebilligt werden? Oder müssen sie ihre Gepflogenheiten ihrem Dasein als professionelle Vollzeit-Weltbürger opfern? Klar ist lediglich: Die Antworten lassen sich nur im Dialog finden – und nicht im einseitigen Aufstellen von Vertragsklauseln.

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