Kommentar : Fuentes und die satten Spanier

Nachfragen unerwünscht - die spanische Justiz verpasst gerade die große Gelegenheit, das internationale Dopingnetz um Dopingarzt Eufemanio Fuentes zu entwirren. Warum man in Madrid lieber Siesta als reinen Tisch macht - ein Kommentar von Nantke Garrelts.

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Cool und lässig: Leichtathletin Marta Dominguez ließ dank einer milden Richterin alle Dopingvorwürfe hinter sich. Auch im Prozess Fuentes braucht sich der Angeklagte nicht vor unangenehmen Fragen zu fürchten.
Cool und lässig: Leichtathletin Marta Dominguez ließ dank einer milden Richterin alle Dopingvorwürfe hinter sich. Auch im Prozess...Foto: dpa

Bei dieser Ankündigung hätte jedem Doping-Gegner das Wasser im Mund zusammenlaufen müssen: Er hätte „kein Problem“ damit, die verschlüsselten Namen seiner früheren Kunden offenzulegen, sagte der spanische Dopingarzt Eufemanio Fuentes am dritten Verhandlungstag. Gestern servierte er einen ersten prominenten Namen: Einer seiner Kunden war Javier Gomez, bis Mittwoch Generaldirektor der Jugendstiftung des CSD, der obersten spanischen Sportbehörde, der pikanterweise auch die beiden staatlichen Dopingbehörden unterstehen.

Unbesorgt kokettierte Fuentes mit seinem Wissen – denn unangenehme Fragen werden wohl ausbleiben. Richterin Julia Patricia Santamaria hat angekündigt, sie werde Fuentes nicht zur Herausgabe von Namen auffordern. Das ist bedauerlich, aber Vertuschungen haben Tradition in spanischen Anti-Doping-Prozessen. Bereits im Fall der Leichtathletin Marta Dominguez erklärte die Justiz ein Beweismittel nach dem anderen für nicht rechtskräftig und machte sich selbst unglaubwürdig. Diese Praxis scheint sich auch jetzt beim größten Dopingskandal der spanischen Sportgeschichte zu wiederholen, bestünde doch spätestens hier die Möglichkeit, an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Bislang hat die Staatsanwaltschaft sich hinter dem Verweis auf ein laufendes Verfahren verschanzt. Jetzt gibt es neben hunderten von Blutkonserven und Abhörprotokollen sogar einen gesprächigen Angeklagten, doch niemand ist bereit für ein Großreinemachen im vergifteten System. Den Funktionären ist wohl nach der Vorspeise der Appetit auf schmerzhafte Wahrheiten vergangen.

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