Kommentar : Geiz war geil

Der FC Bayern ist wieder wer in Europa - zumindest wird der fehlende Champions-League-Startplatz durch den griff in die Geldschatulle kompensiert. Stefan Hermanns über die anhaltende Lust der Münchner am Shopping.

Stefan Hermanns

Wie nennt man eigentlich das Fernglas, das Uli Hoeneß vor einem halben Jahr der Konkurrenz empfohlen hat, damit sie der Spur der weit enteilten Bayern überhaupt noch verfolgen kann? Lesebrille vielleicht? Einen Punkt haben die Münchner nach knapp der Hälfte der Saison zwischen sich und ihren ersten Verfolger, Werder Bremen, geschoben. Gemessen an den Investitionen von rund 70 Millionen Euro im Sommer ist das ein recht dürftiger Ertrag. Aber das objektive Ergebnis deckt sich nicht mit dem subjektiven Empfinden der Bayern, das vor allem durch die Verzückung über Franck Ribéry geprägt ist.

Geiz ist auch bei den Bayern nicht mehr geil, ihr neues Geschäftsprinzip lautet jetzt: „Wir lieben Technik – gerne auch teuer.“ Karl-Heinz Rummenigge sagt, man habe Gefallen an sündhaft teuren Transfers gefunden, und auch Franz Beckenbauer regt den Kauf weiterer Stars an. Mehr noch als solche Aussagen manifestiert sich die veränderte Personalpolitik jedoch im Wechsel von Valérien Ismael zu Hannover 96. Der Franzose, 2005 von Werder Bremen nach München gewechselt, passte perfekt ins Beuteschema der Bayern. Er war in Bremen einer der besten Verteidiger der Bundesliga – und damit automatisch interessant für die Münchner. Wie bei Ismael haben sich die Bayern auch bei Daniel van Buyten oder Jan Schlaudraff vom Zauber des Augenblicks leiten lassen. Ob das auf Dauer billiger war, ist ohnehin fraglich. Acht Millionen Euro haben die Bayern vor zweieinhalb Jahren für Ismael bezahlt. Jetzt bekommen sie aus Hannover 200 000. Das nennt man wohl Kapitalvernichtung.

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