Kommentar : Grauzone Regelwerk

Nach dem passiven Abseits soll nun auch die Bestrafung nach einer Roten Karte überarbeitet werden. Unserem Autor Jan Mohnhaupt missfällt das Herumwerkeln am Regelbuch, denn es blickt schon jetzt kaum einer mehr durch.

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Was die Rote Karte für einen Spieler bedeutet, ist klar... oder? Foto: dpa
Was die Rote Karte für einen Spieler bedeutet, ist klar... oder?Foto: dpa

Wussten Sie, ab welcher Temperatur der Schiedsrichter ein Fußballspiel absagen soll? Ab minus 15 Grad Celsius, bei starkem Wind sogar schon ab minus zehn, gibt das 120-seitige Regelwerk des DFB vor. Nur die wenigsten, die sich mit Fußball beschäftigen, überblicken es. Trotzdem gibt es ständig neue Regeländerungen. Erst zu dieser Saison wurde mal wieder am passiven Abseits herumgebastelt. Nun wird sogar überlegt, eine eigentlich einfache Sache wie den Platzverweis noch komplizierter zu machen. So könnte möglicherweise bei langen Sperren ein Teil als Bewährungsstrafe ausgesetzt werden, wie der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans Lorenz, im Interview mit der „Welt am Sonntag“ sagte.

Ein weiteres Beispiel für die Grauzone Regelwerk ist, dass die Dauer einer Sperre nach einer Notbremse im Strafraum davon abhängt, ob der fällige Elfmeter reingeht. Bei einem Tor gibt es für den Übeltäter ein Spiel Sperre, ansonsten zwei Spiele. Selbst unter Experten ist diese Regel kaum bekannt. Ob Fans, Journalisten, Trainer und Spieler – alle reden mit, doch fast niemand kennt sich wirklich aus. Und es wird nicht besser, wenn vor jeder Saison Regeln und Auslegungen geändert werden, aber nur ein paar Eingeweihte darüber Bescheid wissen.

Anstatt weiter das Spiel aus allen Winkeln mit Kameras zu überwachen, sollten lieber die dunklen Ecken der Grauzone Regelwerk ausgeleuchtet werden. Mehr Aufklärung statt Aufregung – auch vonseiten der Medien. Fußball könnte so einfach sein. Wenn die Regeln klarer wären und alle sie kennen würden.

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