Kommentar : Gut gescheitert

Robert Ide über die Rückkehr von Kevin-Prince Boateng in die Bundesliga.

Vob Robert Ide

Ein Fußballer muss nicht immer klug sein. Er muss auch nicht immer klug beraten sein. Er sollte aber eines können: immer wieder dazulernen. Kevin-Prince Boateng hat die Chance dazu. Es könnte die letzte sein – bei seinem neuen Verein Borussia Dortmund.

Der Jungstar aus Berlin-Wedding, der sich zu schnell zu den großen Stars des Fußballs zählen ließ, hat einen interessanten Weg hinter sich. In Berlin wirbelte er, ermutigt durch ein ihn ständig feierndes Umfeld, die Mannschaft von Hertha BSC durcheinander und erlaubte sich, gerade mal volljährig, die eine oder andere Disziplinlosigkeit. Dann ging er nach England und zeigte dort stolz seine Tattoos. „Ohne den Fußball wäre ich wahrscheinlich kriminell geworden“, sagte Boateng nach seinem Wechsel zu Tottenham Hotspur. Nun kehrt er in die Bundesliga zurück. Nicht als Krimineller natürlich – aber doch als einer, der lange nicht mehr richtig Fußball gespielt hat.

Kevin-Prince Boateng ist gescheitert, und genau das ist seine Chance. Auf der Bank von Tottenham hat er dazulernen müssen: dass nur große Stars sich eine große Klappe leisten sollten und dass er noch lange nicht zu ihnen gehört. Einen bügelfreien Boateng bekommt die Bundesliga nicht zurück, das wäre auch nicht wünschenswert. Aber womöglich einen gereifteren Boateng, der sein Talent zuerst auf dem Platz auszuspielen vermag. Hoffentlich ist er inzwischen so klug.

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