Kommentar : Hamburg schafft sich ab

Robert Ide über die Selbstdemontage des HSV

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Glück gehabt, HSV! Fußball-Deutschland muss über die Narreteien beim FC Bayern so laut lachen, dass der größte Witz der Bundesliga glatt durchrutscht: Der Hamburger SV zerlegt sich gerade in alle Einzelteile. Hamburg schafft sich ab – daraus ließe sich ein Bestseller mit fortwährend eskalierender Handlung schreiben: Am Montag erst wurde der umtriebige, aber selbstverliebte Vorstandschef Bernd Hoffmann abgesägt. Am Dienstag nun ließ Trainer Armin Veh wissen, dass er keine Lust mehr auf seinen Job hat. Und der vom Aufsichtsrat zum Nachfolger für Hoffmann auserkorene norwegische Unternehmer Björn Gulden winkt auch dankend ab. Vielleicht kommen sie morgen ja auf die Idee, die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden.

Beim FC Bayern können sich die Granden des Münchner Fußball-Politbüros nicht auf eine Strategie und einen ihnen genehmen Trainer einigen. Beim HSV ist man schon weiter, hier herrscht blanke Anarchie. Der Vorstandschef abgesetzt, Nachfolger unbekannt. Der Trainer verschlissen, Nachfolger unbekannt. Der Spielerkader ungewiss, viele Verträge laufen im Sommer aus. Der Sportdirektor ein Verlegenheitsmann, als Nachfolger kommt immerhin Frank Arnesen vom FC Chelsea, aber auch erst im Sommer. Während bei den Bayern nicht klar ist, wohin der Verein will, weiß man beim HSV gar nicht mehr, wer der Verein überhaupt ist.

Der HSV-Aufsichtsrat, der die vergangenen Jahre damit zugebracht hat, sich über die Zukunft von Hoffmann zu zerstreiten und mehr als zehn Kandidaten für den Sportdirektor-Posten öffentlich zu verbrennen, wäre theoretisch die letzte Institution mit Macht in Hamburg. Praktisch blockieren sich dessen Mitglieder im täglichen Kleinkrieg. Ein Witz, über den HSV-Fans nur weinen können.

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