Kommentar : Hamburger SV - der Quastenflosser der Bundesliga

Der Hamburger SV wird gerne als der Bundesliga-Dino bezeichnet. Dabei ist er der Quastenflosser der Liga. Beide waren nie weg, sind immer noch da. Unverändert. Diese Überlebensstrategie könnte dem HSV aber bald zum Verhängnis werden.

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Die Uhr an der Tribüne der Imtech Arena in Hamburg zeigt am 16.05.2014 die Dauer der Bundesliga-Zugehörigkeit des Hamburger SV an.
Die Uhr an der Tribüne der Imtech Arena in Hamburg zeigt am 16.05.2014 die Dauer der Bundesliga-Zugehörigkeit des Hamburger SV an.Foto: dpa

Das Jahr 1987 war ein gutes für die Freunde des Hamburger SV. Der Klub wurde damals deutscher Pokalsieger – es war der bislang letzte Titel des HSV. Von da an ging es gefühlt bergab.

Das Jahr 1987 war auch ein gutes für die Freunde der lebenden Fossilien – zu denen die HSV-Anhänger ja auch irgendwie zählen. Im Indischen Ozean war der Quastenflosser wieder aufgetaucht. Der Raubfisch ist ein enger Verwandter jener Fische, die vor Jahrmillionen den evolutionären Sprung vom Wasser an Land wagten und so zu Landlebewesen wurden. Seit der Kreidezeit vor rund 70 Millionen Jahren galt er als ausgestorben. Nun war er wieder da – immer noch da. Unverändert.

Auch der HSV schien zu verschwinden. Nach 50 Jahren trudelte das Bundesliga-Gründungsmitglied dem ersten Abstieg entgegen. Und so wie der Quastenflosser zu seinen Jagdzügen nachts in die Tiefe abtaucht, musste der HSV auch erst hinunter in die Relegation gegen den Zweitligisten Greuther Fürth. Nach dem leblosen 0:0 im Hinspiel reichte im Rückspiel ein Treffer von Pierre-Michel Lasogga zum 1:1. Klassenerhalt ohne Sieg – eine Erfolgsgeschichte ist etwas anderes.

Der HSV ist nicht der Dino, sondern der Quastenflosser der Bundesliga. Denn weg war er nie. Auch er ist immer noch da. Unverändert. Beide haben in Stagnation überlebt. Vom echten Quastenflosser sind keine allzu großen Weiterentwicklungen zu erwarten. Er wird wohl weiter nachts in die Tiefen des Meeres abtauchen, um dort Beute zu machen.

Der erstklassige Quastenflosser darf sich an seiner weiterhin laufenden Bundesliga-Uhr erfreuen, muss sich aber auch mit 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten und einem seelenlosen Kader herumplagen. Er sollte seine Überlebensstrategie überdenken. Sonst wird der Sprung ans rettende Ufer bald nicht mehr gelingen.

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