Kommentar : Hand in Hand am Rad drehen

Der Diffusor-Streit und sein Ende: Christian Hönicke über die neue Formel 1, die doch wieder die alte ist.

Christian Hönicke

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, das seine Gewohnheiten im Zweifel eher mit ins Grab nimmt, als sie zu ändern. Nicht mal im Angesicht des drohenden Untergangs sind wir dazu fähig, von unseren lieb gewonnenen Marotten zu lassen. Sehr schön lässt sich dies gerade anhand der Formel 1 begutachten.

Hand in Hand wollte die zerstrittene Rasergemeinde endlich gehen, um vor dem Hintergrund der Finanzkrise und der Krise der Autohersteller überleben zu können. Alles anders, alles besser, alles günstiger, so wollte die Formel 1 in ein neues Zeitalter starten. Schon nach zwei Rennen präsentiert sich der Rennzirkus jedoch wieder so, wie er immer war. Was nicht dem eigenen Vorteil dient, ist zweitrangig; wer so naiv ist, sich an Absprachen zu halten, ist selbst schuld. Auch das neu definierte Ziel der Kostensenkung zum Selbsterhalt rückt vor diesen egoistischen Motiven in den Hintergrund.

So geschehen im Diffusor-Streit. Zwar wurden die umstrittenen Doppeldiffusoren der Teams Brawn, Williams und Toyota nun letztinstanzlich für legal erklärt – das mag die drei Cleveren freuen. Doch was ist das wert, wenn es angeblich vor dem Saisonstart eine Absprache zwischen den Teams gegeben hat, auf diese teure Bauvariante zu verzichten? Sieben Teams müssen nun millionenschwere Investitionen tätigen, um mithalten zu können. Langfristig noch teurer wird die Formel 1 allerdings kommen, dass die zarte Bande, die zwischen den Teams geknüpft schien, unter gütiger Mithilfe des zaudernden Weltverbands Fia wieder durchtrennt worden ist.

So steht zu befürchten, dass die Grand- Prix-Egomanen nach dieser Affäre künftig wieder nur einen Weg gemeinsam Hand in Hand beschreiten werden: den, der geradewegs Richtung Untergang führt.

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