Kommentar : Hertha verliert das Gleichgewicht

Was ist der Unterschied zwischen dem Tabellenführer Hertha und dem Tabellenvierten Hertha? Ingo Schmidt-Tychsen über selbst verschuldete Probleme der Berliner.

Ingo Schmidt-Tychsen

Wir schreiben den 20. Spieltag, es läuft die 38. Spielminute im Olympiastadion. Hertha spielt gegen die Bayern. Berlins Patrick Ebert flankt weit und hoch in den Münchner Strafraum, und Andrej Woronin köpft den Ball ins Tor – 1:0. Am Ende gewinnt Hertha dank guter Verteidigung sowie beinahe optimaler Chancenverwertung 2:1 und stürmt an die Spitze der Bundesliga.

Wir schreiben den 27. Spieltag, es läuft die 89. Spielminute im Stadion von Hannover. Hertha spielt auswärts. Andrej Woronin rastet aus und sieht nach einer Tätlichkeit die Rote Karte, Patrick Ebert ist da schon nicht mehr auf dem Platz. Am Ende verlieren die Berliner dank schlechter Arbeit in der Verteidigung sowie noch schlechterer Chancenverwertung 0:2 und rutschen auf den vierten Platz ab.

Der Unterschied zwischen dem Tabellenführer Hertha BSC und dem Vierten? Es ist die Effizienz. Aber weshalb fehlt es den Berlinern auf einmal an dieser Tugend? Dreimal in Folge hat Hertha verloren. Angefangen hat die Serie in Stuttgart, als Ebert suspendiert war, weil er seinen Geburtstag zu lange gefeiert hatte. Zurzeit wird noch immer wegen Sachbeschädigung gegen ihn ermittelt – immer neue Vermutungen in der Affäre halten den Verein auf Trab; das dürfte auch an der Mannschaft nicht spurlos vorübergehen. Allein in Ebert den Grund für die Misere zu sehen, damit würde man dem jungen Mann wohl zu viel Bedeutung beimessen. Trainer Lucien Favre aber verfügt über einen Kader, der nur unter Optimierung um die Meisterschaft mitspielen kann. Ebert und nun auch Woronin mit seinem Ausraster haben dieses Gleichgewicht gekippt. Hertha hat sich eine tolle Ausgangssituation selbst kaputt gemacht.

Die langwierige Verletzung von Kapitän Arne Friedrich wird auch nicht helfen, um in den nächsten Spielen gegen Bremen, Hoffenheim und Hamburg zu bestehen. Das freilich ist Pech. Vieles andere hat Herthas Mannschaft selbst in der Hand: vor allem die Rückkehr zu Disziplin und Effizienz. Derzeit hat sie diese Trümpfe aus der Hand gegeben.

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