Kommentar : Herz statt Kommerz

Lange war von EM-Stimmung in Österreich keine Spur. Nun warnt Lars Spannagel vor Österreichs neuer Fußballbegeisterung.

Lars Spannagel

Beim Gastgeber der Europameisterschaft und Vorrundengegner der Deutschen herrschte Frust über die miserable Nationalelf, eine Initiative forderte sogar, das eigene Team abzumelden. Doch jetzt sollte Joachim Löw gewarnt sein: Die Österreicher haben ihre Leidenschaft für Fußball wiederentdeckt.

Schuld daran ist der SK Rapid Wien. Noch vor einem Jahr steckte Rapid im Abstiegskampf – was in der österreichischen Bundesliga mit Klubs wie Austria Kelag Kärnten und Cashpoint SCR Altach wahrlich kein Ruhmesblatt ist. Meister 2007 wurde die zusammengekaufte Truppe von Red Bull Salzburg, unter der Regie des Maurermeisters Giovanni Trapattoni, mit 21 Punkten Vorsprung Meister. Wenn das kein Grund ist, sich vom Fußball abzuwenden – was dann?

Jetzt aber steht Rapid als neuer Meister fest. Seit Wochen stürmt Rapid mit fast ausschließlich jungen, einheimischen Spielern durch die Liga. Salzburg wurden von der Mannschaft von Trainer Peter Pacult im eigenen Stadion mit 7:0 gedemütigt. Plötzlich waren die Spiele im ehrwürdigen Gerhard-Hanappi-Stadion im voraus ausverkauft, Politiker sonnten sich auf der Tribüne im Glanz des Teams. Der Zuschauerschnitt ist der höchste der letzten Jahre, es ist wieder cool, zum Fußball zu gehen. Die Story „Herz schlägt Kommerz“ begeistert.

Nationaltrainer Josef Hickersberger reagierte schnell: Er berief drei junge Rapid-Spieler prompt in den vorläufigen EM-Kader. Die Euphorie bringen sie mit.

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