Kommentar : Historisch ist anders

Alle vier deutschen Fußballklubs im Achtelfinale der Champions League! Von einer stabilen Dominanz in Europa sind die Mannschaften aus der Bundesliga trotzdem noch weit entfernt, findet unser Autor.

von
Das ist historisch! Im Uefa-Pokal-Halbfinale standen 1980 ausschließlich deutsche Teams.
Das ist historisch! Im Uefa-Pokal-Halbfinale standen 1980 ausschließlich deutsche Teams.Foto: Imago

Und jetzt alle aufstehen und jubeln! Ein Tusch auf „die historischen Vier“ („Kicker“) und den „historischen Triumph für die Bundesliga“ („Bild“). Vier deutsche Mannschaften im Achtelfinale der Champions League – das hat es noch nie gegeben.

Und jetzt: alle wieder hinsetzen und runterkommen! Es spricht für ein seltsames Geschichtsverständnis, wenn schon das Überstehen der Gruppenphase als historisch einmalige Leistung gefeiert wird. Wenn Joachim Löw das mit der Nationalmannschaft schafft, jubelt schließlich auch keiner. Historisch ist das, was 1980 passiert ist, als vier deutsche Mannschaften im (damals noch ernstzunehmenden) Uefa-Cup das Halbfinale erreicht haben.

Wenn es um Fußball geht, sind wir Deutschen gerade ein bisschen berauscht von uns selbst. Man muss das verstehen: Jahrelang hatte die Bundesliga international überhaupt nichts mehr zu melden, jetzt sind ihre Vertreter zumindest wieder ein seriöser Faktor in den europäischen Wettbewerben. Das reicht offenbar, um hierzulande unkontrollierten Überschwang auszulösen.

Dabei sind die deutschen Klubs von einer stabilen Dominanz in Europa noch weit entfernt. Man muss ja nur sehen, mit wie viel Mühe drei der vier Bundesligisten sich am letzten Spieltag der Vorrunde behauptet haben. Mit etwas weniger Glück hätte es auch ganz anders ausgehen können. So nämlich, wie es in der Vergangenheit meistens ausgegangen ist: Nur die Bayern kommen durch. Wenn die Bundesliga tatsächlich die stärkste Liga der Welt ist, wie kann es dann sein, dass der Tabellenzweite Bayer Leverkusen sein Heimspiel gegen Manchester United, den Neunten der Premier League, 0:5 verliert? Wie kann es sein, dass die englischen Teams sechs von acht Vorrundenspielen gegen die Mannschaften aus der Bundesliga gewinnen?

In der Spitze – Bayern, Dortmund – sind die Deutschen der Konkurrenz inzwischen voraus, doch dahinter klafft immer noch eine große Lücke. Leverkusen und Schalke haben, nüchtern betrachtet, keine Teams, die es bis ins Halbfinale der Champions League schaffen. Schon in der nächsten Runde drohen ihnen Gegner, die deutlich zu groß sind. Diese Lücke zu schließen, darum geht es, und zwar nicht nur einmal, sondern dauerhaft.

Zumindest sieht es so aus, als hätten die Deutschen jetzt mal damit angefangen.

3 Kommentare

Neuester Kommentar