Kommentar : Hoeneß' Traum, unvollendet

Zweierlei muss man Dieter Hoeneß lassen. Er ist für Überraschungen gut. Und er lernt nie aus. Robert Ide über das Comeback von Dieter Hoeneß in Wolfsburg.

Robert Ide

Zweierlei muss man Dieter Hoeneß lassen. Er ist für Überraschungen gut. Und er lernt nie aus.

Über den VfL Wolfsburg hat sich Herthas langjähriger Machtmanager gern mal herablassend geäußert. „Privat war ich noch nicht so oft in Wolfsburg“, erzählte er süffisant lächelnd – und dass Geld im Fußball nicht alles sei, vor allem nicht, wenn es von einem Konzern direkt in einen untergeordneten Verein fließt. Nun ist es nicht so, dass Hoeneß beim mit ihm aufstrebenden Berliner Bundesligisten an Geld gespart hätte. Aber ehrliche Leidenschaft für den Ball und das Geschäft, ihn ins Tor rollen zu lassen, hat er dabei stets gezeigt. Hoeneß versprühte bei all seinen Fehlern und Selbstüberhöhungen jenes Herzblut, das Hertha heute zu fehlen scheint. Mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor – diesen unvollendeten Traum hat er gelebt und damit den Verein auch hohen Risiken ausgesetzt.

Im kommenden Jahr fängt Hoeneß nun in Wolfsburg neu an. Bei einem Klub, der gemeinsam mit Hertha 1997 aufgestiegen ist und der in der nationalen Wahrnehmung des Fußballfeuilletons seit Jahren eine ähnlich untergeordnete Rolle spielt wie die Berliner. Ein paar Spieler aus seiner Hertha-Zeit wird er in Wolfsburg wiedertreffen, einiges Geld wird er vom VW-Konzern bereitgestellt bekommen, einige Möglichkeiten der Entwicklung stehen ihm offen – vieles könnte passen, wenn der Klub den jetzigen Machtkampf verarbeitet hat. Eines aber hat Wolfsburg Hoeneß voraus: Der VfL weiß, wie es sich anfühlt, Meister zu werden.

Dieter Hoeneß kann nun zeigen, wie lernfähig er ist – nicht nur was die Ortskenntnis in Wolfsburg betrifft. Er muss sich in einem neuen Team einen neuen Traum erschaffen, für den er arbeiten will.

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