Kommentar : HSV Handball: Zu viel Luxus, zu wenig Ideen

Hamburgs Handballer sind als Titelverteidiger bereits im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Was das über den deutschen Handball sagt? Nicht viel. Was es über den HSV sagt? Eine ganze Menge, meint unser Autor.

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Bange Blicke. HSV-Trainer Martin Schwalb während der Champions-League-Partie gegen Skopje.
Bange Blicke. HSV-Trainer Martin Schwalb während der Champions-League-Partie gegen Skopje.Foto: Imago

Gut möglich, dass folgende Nachricht Häme hervorgerufen hat bei dem ein oder anderen Bundesligisten, auch wenn das natürlich niemand öffentlich zugibt. Am Sonntag sind die Handballer des Hamburger SV überraschend gegen Mazedoniens Meister Skopje aus der Champions League ausgeschieden, zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs scheiterte der Titelverteidiger bereits im Achtelfinale. Was das über den deutschen Vereinshandball aussagt? Nicht viel, mit dem THW Kiel, der SG Flensburg-Handewitt und den Rhein-Neckar Löwen sind weiterhin drei Teams mit guten Chancen im bedeutsamsten Europapokal vertreten. Was das über den HSV aussagt? Eine ganze Menge.

Die Hamburger sind der FC Chelsea der Handball-Bundesliga, und der Oligarch von der Elbe heißt nicht Roman Abramowitsch, sondern Andreas Rudolph. Es ist kein Geheimnis, dass der HSV sein Team ohne die dauerhafte private Bezuschussung seines schwerreichen Präsidenten schon mindestens einmal hätte abmelden müssen. Ungeachtet dessen und der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage im deutschen Handball haben sich die Hamburger in dieser Saison den Luxus eines 19 Mann starken Kaders geleistet. Zur Erinnerung: Auf einem Spielberichtsbogen finden maximal 14 Akteure Platz, Trainer Martin Schwalb hat also vor jedem Spiel die undankbare Aufgabe, fünf Leute aus seinem mit Nationalspielern gespickten Kader auf die Tribüne zu setzen. Angemessene Personalplanung sieht anders aus.

Auch deshalb dürfte sich das Mitleid mit dem Titelverteidiger bei der Konkurrenz in Grenzen halten. Wie hatte es Präsident Andreas Rudolph erst kürzlich in der ihm eigenen Selbstsicherheit formuliert: „Selbst wenn wir die auslaufenden Verträge am Saisonende nicht verlängern, haben wir immer noch eine komplette, international konkurrenzfähige Mannschaft.“ Zumindest in der Theorie.

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