Kommentar : Ironie, Sarkasmus, Arroganz

Ein Fatalist muss gehen. Mathias Klappenbach findet, dass Bernd Schuster als Trainer bei Real Madrid alles richtig gemacht hat.

Mathias Klappenbach

Trainer bei Real Madrid zu sein, das war selbst für Bernd Schuster ein großer Traum. Den wollte er sich unbedingt erfüllen – auch wenn er sicher wusste, worauf er sich einließ. Denn bei Real Madrid steht ein Trainer nicht erst vor der Entlassung, wenn es gerade nicht so gut läuft. Wer Coach bei Real wird, steht ab seinem ersten Arbeitstag kurz vor der Entlassung. Egal wie es läuft. So musste einst Jupp Heynckes gehen, nachdem er gerade die Champions League gewonnen hatte. In den vier Jahren vor Schuster hat Real sechs Trainer verschlissen.

Aktuell muss ein unter unklaren Umständen gewählter Präsident von sich und internen Problemen ablenken und der Sportdirektor einen Kader verantworten, in dem die vom Präsidenten den Fans versprochenen Kaká und Cristiano Ronaldo ebenso fehlen wie der verkaufte Robinho.

Fatalistisch hat sich Schuster von Beginn an dem gestellt, was in Madrid für einen Trainer unvermeidlich ist. Er wusste, dass er irgendwann geopfert werden wird. Bis dahin hat es bei Schuster überdurchschnittlich lange 17 Monate gedauert, und Meister ist er auch geworden. Die Zeit hat er sich mit seiner Ironie und seinem Sarkasmus gegenüber den Medien und auch den Vereinsoberen nicht zu schwer werden lassen.

Ein bisschen war Schuster schon immer so, was ihm früher als Querulantentum ausgelegt worden ist und in Spanien am Ende als Arroganz. Für einen Trainer der einstmals Galaktischen ist es aber die einzig vernünftige Haltung. Schuster war bei Real genau richtig.

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