Kommentar : Ist der Ruf erst ruiniert...

Die Diskussion um Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen lenkt vom eigentlichen Dilemma im deutschen Herrentennis ab. Nicht nur das Image ist schlecht, es gibt auch kaum Hoffnung auf sportliche Besserung.

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Als Spieler gewann Patrik Kühnen zwischen 1988 und 1993 dreimal den Davis Cup. Gut, damals spielte er an der Seite von Boris Becker oder Michael Stich nicht mehr als eine Nebenrolle. Als Kapitän des deutschen Davis-Cup-Teams hatte es Kühnen in den vergangenen zehn Jahren ungleich schwerer. Seit 2003 ist er offiziell der Gute- Laune-Onkel der deutschen Tennismänner. Viel mehr wird von einem Teamchef angesichts von maximal vier Spielterminen pro Jahr eigentlich nicht verlangt.

Doch seit einiger Zeit ist es mit der guten Laune in der Mannschaft nicht mehr weit her. Mit Philipp Kohlschreiber befindet sich Kühnen seit Monaten im Dauerzwist. Statt das Gespräch zu suchen, reden beide nur über die Medien miteinander. Auch das Verhältnis zu Florian Mayer ist seit dem World Team Cup im Frühjahr mindestens belastet.

Darf der Vertrag mit Kühnen unter solchen Umständen überhaupt verlängert werden? Nein. Aber ein geeigneter Nachfolger ist nicht in Sicht. Und die Diskussion um Kühnen lenkt vom eigentlichen Dilemma im deutschen Herrentennis ab. Denn nicht nur das Image ist schlecht, es gibt auch kaum Hoffnung auf sportliche Besserung. Es fehlt an Konzepten in der Nachwuchsarbeit und funktionierenden Strukturen an der Basis, an Spitzentrainern sowieso. Der Streit um den Posten des Davis-Cup-Teamchefs ist angesichts dieser gravierenden Probleme eigentlich nebensächlich. Andererseits aber passt er nur zu gut ins Bild, das das deutsche Herrentennis derzeit abgibt.  

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