Sport : Kommentar: Jammervoller Zustand

Benedikt Voigt

Es hallte, als der Pressesprecher des Fedcup-Teams gestern ein kleines Liedchen pfiff. Und das in der Geschäftsstelle des Deutschen Tennisbundes (DTB), wo statt Fröhlichkeit eigentlich Niedergeschlagenheit angesagt sein müsste. 2000 Karten hat der DTB für das heute startende Fedcupspiel gegen Argentinien am Hamburger Rothenbaum abgesetzt. Der Center-Court fasst 13 000 Besucher, doch Pressesprecher Toralf Birzer rechnet mit maximal 3000 Zuschauern. Zu wenig, zumal der DTB die Preise schon auf 30 Mark für Erwachsene und 10 Mark für Jugendliche und Studenten gesenkt hat. Wenige kommen, die Preise fallen, das sagt eigentlich viel über den Zustand des Tennissports in Deutschland.

"Ein jammervoller Zustand", sagt sogar der DTB-Präsident Georg von Waldenfels. Wie die Preise befindet sich das deutsche Tennis im freien Fall. Immer, wenn man dachte, es sei schon ganz unten angekommen, finden die deutschen Racketträger einen weiteren Tiefpunkt. Jüngstes Beispiel ist das Stuttgarter Weissenhofturnier, wo von sieben deutschen Herren kein einziger die zweite Runde erreichte. Thomas Haas und Nicolas Kiefer traten erst gar nicht an. "Dass manche Spieler zu satt geworden sind, steht ja außer Frage", sagt von Waldenfels. Selbiges galt in der Vergangenheit auch für den deutschen Tennisbund. Inzwischen hat die Selbsterkenntnis den DTB erreicht. "Wir haben alle Abschied nehmen müssen von den großen Erfolgen", sagt von Waldenfels. Ab jetzt soll wieder begrüßt werden, und zwar ein Nachwuchskonzept für die 13- und 14-Jährigen. Das könnte in vier oder fünf Jahren Erfolge bringen. Bis dahin hilft vielleicht Pfeifen.

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