Sport : Kommentar: Kein Mittel gegen das schlechte Gefühl

Frank Bachner

Immer noch zwei Kilogramm zu viel auf der Waage, verflixt. Wie baut man die ab bis zur Tour de France? Ein Mini-Problem? Kann schon sein. Aber ein drängenderes hat Radprofi Jan Ullrich derzeit offenbar nicht. Doping-Ermittlungen gegen sein Team Telekom? Sollen die italienischen Staatsanwälte doch ermitteln, Ullrich stört das nicht. Bitte, hier, er hat doch einen Gesundheitspass. Ullrich ist seit 1998 Asthmatiker steht drin, er darf deshalb Kortekoide nehmen. Sicher, das Mittel steht auf der Dopingliste, aber Asthmatiker sind Ausnahmefälle. Na ja, so selten sind die Ausnahmen allerdings dann auch nicht. Schon beeindruckend, wie viele extrem austrainierte Top-Sportler Asthmatiker sind. Nicht bloß im Radsport. Schwimmen und Leichtathletik sind ja fast schon verseucht durch diese Krankheit. Und alle Leidenden dürfen Mittel konsumieren, die eigentlich verboten sind. Wie angenehm.

Angenehm für die Sportler, nicht für die Beobachter. Für die sind es einfach ein bisschen viele Asthmatiker. Jeder von denen hat ein Attest, selbstverständlich. Aber gegen das schlechte Gefühl, das den Sportfans bleibt, gibt es kein Medikament. Der Radprofi Dario Frigo treibt allen Zuhörern zwar Lachtränen in die Augen mit seiner Geschichte, er habe Dopingmittel nur dabei gehabt, aber nicht benutzt. Im Endeffekt aber verstärkt er nur das schlechte Gefühl. Und inzwischen gilt fast der Generalverdacht. Denn beim Doping wurde einfach zu viel gelogen. "Doping ist erniedrigend, wer erwischt wird, soll für immer rausgeworfen werden", hat ein Großer des Sports mit Abscheu mal verkündet. Hörte sich gut an. Leider kam der Spruch von Sprinter Ben Johnson. Bevor er lebenslang gesperrt wurde.

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