Kommentar : Kein schönes Spiel

Dass Brasilien 2014 mit Luiz Felipe Scolari Weltmeister wird - möglich. Dass die Selecao dabei auch schönen Fußball zeigt, wagt Sebastian Stier in seinem Kommentar allerdings zu bezweifeln.

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Weltmeister allein reicht nicht. Brasilien muss bei der Heim-Weltmeisterschaft in anderthalb Jahren den Titel holen und dabei Fußball von malerischer Schönheit zeigen. Jogo bonito ganz in der Tradition Pelés. So wollen das die knapp 200 Millionen fußballverrückten Einwohner sehen. Und bloß nicht anders.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Ernennung Felipe Scolaris zum Nachfolger des erfolglosen Mano Menezes. Scolari ist alles andere als ein Verfechter des schönen Spiels, genauso wenig wie Carlos Alberto Parreira, der Scolari als Koordinator unterstützen soll. Parreira und Scolari waren die Trainer, die mit Brasilien Weltmeister wurden – allerdings auf die europäische Art. Der Teams von 1994 und 2002 basierten auf einer soliden Defensive, geliebt wurden die Mannschaften und ihre Trainer nicht. Hinter der Ernennung der Altmeister dürfte vor allem die Sehnsucht nach Sicherheit stehen. Beide haben schon bewiesen, dass sie mit Brasilien den Titel holen können. Dass die Spiele ihrer Zeit nicht immer etwas für Ästheten waren – geschenkt.

Das Experiment mit dem international unerfahrenen Menezes und dessen extrem junger Mannschaft schien den Verantwortlichen wohl doch zu riskant. Anders als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor der WM 2006 hat sich Brasiliens Verband für die Abkehr vom Reformkurs entschieden; nun zählt nur noch das Altbewährte. Brasiliens Fans werden nun damit leben müssen, nicht alles haben zu können. Weltmeister: eventuell. Jogo bonito: sicherlich nicht.

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