Sport : Kommentar: Keine Nachricht ist auch eine Nachricht

Rudi Völler meint es nicht gut mit der Öffentlichkeit. Na ja, eigentlich meint er es nicht gut mit den Leuten, die sich für die entscheidenden Vertreter der Öffentlichkeit halten. Mit uns Journalisten nämlich, denen gelegentlich nachgesagt wird, für sie sei nur eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht. Bei Völler wäre man schon froh, wenn es überhaupt eine Nachricht gäbe.

Definiert man eine Nachricht als etwas, das sich von allem Vorherigen signifikant unterscheidet, dann hat Völlers Nominierung des Nationalmannschaftskaders für die Relegationsspiele gegen die Ukraine den Nachrichtenwert null. Völler baut auf dieselben Spieler, die diese missliche Situation gegen England (1:5) und die Finnen (0:0) erst herbeigeführt haben. Und eigentlich sind es immer noch dieselben Spieler, die vor einem Jahr bei der Europameisterschaft den Ruf des deutschen Fußballs nachhaltig geschädigt haben. Außer Lothar Matthäus natürlich. Keine Überraschungen also aus Frankfurt, vom Sitz des Deutschen Fußball-Bundes. Kein Thorsten Fink, von dem man zuletzt den Eindruck gewinnen musste, er allein sei in der Lage, den deutschen Fußball zu retten. Und auch wieder kein Ulf Kirsten, der gegen Finnland aus den drei Chancen, die Oliver Bierhoff versemmelt hat, mindestens vier Tore gemacht hätte.

Rudi Völler bleibt also seiner Linie treu. Schon nach seinem Amtsantritt hat er die Öffentlichkeit nur dadurch überrascht, dass er sich allen Forderungen nach radikalem Personalaustausch konsequent verweigert hat. Der Teamchef scheut offensichtlich tiefgreifende Veränderungen. Auch deshalb hält er an Oliver Bierhoff als Kapitän fest.

Mit seiner Standhaftigkeit begegnet Völler auch jenen Kritikern, die bereits an seiner Qualifikation als Trainer zu zweifeln beginnen. Ein guter Trainer lässt sich nicht von der Öffentlichkeit in seine Entscheidungen reinreden. Doch wenn der deutsche Sturm ohne Kirsten in der Ukraine erneut das Tor nicht trifft, könnte Völler ausgerechnet diese Eigenschaft zum Verhängnis werden. Helmut Schön, einer seiner Vorgänger, war nie so konsequent. Der traf seine Personalentscheidungen erst, nachdem er sorgsam die Boulevardblätter studiert hatte. Helmut Schön ist trotzdem Weltmeister geworden.

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