Kommentar : Köln 21

Dominik Bardow über einen interessanten Vergleich von Michael Meier und seinen Mut zur Selbstkritik.

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Als eigentlich alles schon zu spät war, flüchtete sich Michael Meier in einen interessanten Vergleich: Er sei wie das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21, sagte er am Wochenende. „Man sucht nach einem Sündenbock – und den stelle ich im Moment dar.“ Am Montag wurde Meier dann als Manager des 1. FC Köln entlassen.

Doch Meier irrt. Bei dem Protest gegen ihn ging es nicht um einen Sündenbock, sondern um weit mehr: Es ging wie bei Stuttgart 21 um eine Grundeinstellung von Politikern, Managern und Funktionären, sich Kritik nicht mehr zu stellen. Natürlich hat Michael Meier die sportliche und finanzielle Misere Kölns nicht alleine zu verantworten. Es gab wie überall Leute, die gefordert, und Leute, die abgenickt oder zumindest tatenlos zugesehen haben. Aber als Entscheidungsträger trifft Meier in jedem Fall eine Schuld an Kölns Situation, unabhängig davon, was er wirklich getan oder unterlassen hat. Das nennt man die Verantwortung des Amtes. Doch Selbstkritik hört man von Meier nicht.

Sein Verhalten erinnert an seine Zeit bei Borussia Dortmund. Als er dort 2005 unfreiwillig ausschied, sagte er: „Ich habe ein bestelltes Feld hinterlassen.“ Der BVB hatte damals 119 Millionen Euro Schulden und stand vor dem Konkurs.

In gewisser Weise stimmt Meiers Analyse also nicht: Eher als Stuttgart 21 gleicht er einem anderen Protestobjekt – den Investmentbankern der Finanzkrise. Auch sie haben nie ihre Verantwortung eingestanden, viele haben einfach da weitergemacht, wo sie vor der Krise aufgehört haben. Die Schulden müssen ohnehin andere zahlen. Egal, wer Schuld hatte.

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