Kommentar : Langsam wird es peinlich

Stefan Hermanns über die deutschen Klubs auf der internationalen Bühne.

Stefan Hermanns

Es ist erst ein paar Wochen her, da hat Ottmar Hitzfeld mit aller Macht versucht, sich den Uefa-Cup schönzureden. Der kleinere der beiden Europapokalwettbewerbe besitze den Reiz des Unbekannten, in der Champions League hingegen habe er, Hitzfeld, alles schon erlebt. Vermutlich haben die Bayern und ihr Trainer zu diesem Zeitpunkt nicht im Traum daran gedacht, dass sie in dieser Saison noch so viel Spaß an der Champions League bekommen könnten, und das, obwohl sie gar nicht mitspielen. Oder gerade deswegen. Mögen die Bayern in der Bundesliga mit 27 Punkten Vorsprung Meister werden und acht Spieltage vor Schluss nicht mehr einzuholen sein – nichts illustriert ihren besonderen Wert für den deutschen Fußball besser als die Bilanz der deutschen Klubs in der Champions League: Die anderen können es einfach nicht.

Langsam wird es wirklich peinlich. Der VfB Stuttgart, der die Bayern übergangsweise als Deutscher Meister vertritt, ist schon nach vier Spieltagen ausgeschieden, schafft es nicht einmal in den Uefa- Cup und jagt nun den HSV, der vor einem Jahr mit fünf Niederlagen in die Gruppenphase gestartet ist. In zwölf Spielen haben die drei deutschen Teilnehmer Stuttgart, Bremen und Schalke sieben Punkte geholt, so viele wie die norwegische Übermannschaft Rosenborg Trondheim ganz alleine. Und die Wahrscheinlichkeit, dass keiner der drei deutschen Klubs ins Achtelfinale kommt, ist größer, als dass auch nur einer die Gruppenphase übersteht.

Dass es keinen Grund gibt, die Bayern zu überhöhen, haben sie gestern gegen Bolton gezeigt, als sie einen sicheren Sieg verbaselten. Gemessen an den eigenen Ansprüchen ist auch ihre Bilanz in der Champions League seit dem Titelgewinn 2001 eher dürftig. Aber sie haben wenigstens die Gruppenphase zumeist mehr oder weniger souverän überstanden. Der Rest Deutschlands ist schon damit hoffnungslos überfordert. Genauso wie mit der Suche nach den Ursachen für die Misere. Man hätte darauf wetten können, dass die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Deutschen wieder mit der fehlenden Finanzkraft begründet werden würde. Das ist so schön einfach und – so bequem. Weil es die Vereine davor bewahrt, die Fehler bei sich zu suchen.

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