Kommentar : Münchner Löwengrube

Lars Spannagel hofft auf einen echten Neuanfang beim TSV 1860.

Lars Spannagel

Der TSV 1860 München ist ein Fußballverein der ganz alten Schule: Seine Fans sind hoffnungslose Romantiker, seine Funktionäre dilettantische Selbstdarsteller. Zumindest war das bis Dienstag so. Da tauschte 1860 seine Führung aus und weckte damit einmal mehr die Hoffnung, die ruhmreichen Löwen könnten endlich seriös werden. Doch die Probleme des Zweitligisten sind mit einem neuen Präsidenten nicht gelöst.

Seit 1860-Patriarch Karl-Heinz Wildmoser 2004 aufgrund diverser Vorwürfe (Untreue, Bestechung, Steuerhinterziehung) zurücktreten musste, taumelt der Verein vor sich hin. Der Klub zog als gleichberechtigter Partner des FC Bayern in die neue Münchner Arena, nur um wenig später seine Anteile an die verhassten Roten verkaufen zu müssen. Heute wohnen die Löwen sozusagen zur Miete bei Uli Hoeneß – eine Schmach für jeden echten Sechz’ger. Kein Wunder, dass die Sehnsucht nach dem zum Mythos verklärten, aber völlig maroden Stadion an der Grünwalder Straße weiterlebt.

Zuletzt duellierten sich Präsident und Geschäftsführer, hemmungslos populistisch, jeder mit einer verfeindeten Fangruppierung im Rücken. Alte Gegner aus der Wildmoser-Ära stehen sich immer noch unversöhnlich gegenüber, der Klub schwankt zwischen Champions-League-Ansprüchen und Bayernliga-Folklore. Nur wenn es dem neuen Präsidenten gelingt, diese tiefen Gräben zu schließen, hat 1860 eine Zukunft im Profifußball.

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