Kommentar : Noch ein großes Ziel für Michael Schumacher

Versäumtes lässt sich nachholen im Leben. Stephan-Andreas Casdorff hofft auf einen gewendeten Schumacher

Stephan-Andreas Casdorff

Michael Schumacher – der Ritter mit dem roten Helm. So kann es werden, wenn er es vermag. (Dass der Helm, mit dem er gerade seine Traningsrunden dreht, nicht ganz die passende Farbe hat, sei’s drum.) Schumacher ist ein Mythos, aber aus den bisher falschen Gründen. Den Eindruck zumindest kann er wenden.

Er war immer der beste Fahrer, der beste Tester, der beste Mechaniker mit dem klügsten Hintern. Er konnte schummeln und schieben wie kein Zweiter, will sagen: die Konkurrenten von der Piste. Nur ein Herr war er nie. War kein Graf Berghe von Trips. Und kein Juan-Manuel Fangio.

Schumacher hilft einem Team, dem er im Grunde alles verdankt. Er hilft einem ehemaligen Teamkollegen, den er sogar mag und den er im Krankenhaus besucht. Und er hilft einer Rennserie, die mit sich selbst kämpft. Das klingt zu gentlemanlike, um wahr zu sein? Klingt nicht nach dem Schumacher, wie wir ihn kennen? Vielleicht allerdings ist Schumacher der, den die Rennserie wirklich benötigt: nicht nur ein Sieger, sondern ein Champion. Einer, der zeigt, was Klasse hat; die Bereitschaft nämlich, ein bisschen zurückzugeben von der – immer nur geliehenen – Popularität, damit der Sport, sein Sport, fortfährt zu bestehen.

Versäumtes lässt sich nachholen im Leben, von dem, der das will. Schumacher kehrt zurück und kann sich jetzt den „Schumi“ verdienen, diesmal als freundschaftlichen Titel. Ritterlich, kraftvoll, aber beherrscht, so muss er fahren. So muss er sein. Und schlösse damit dann auf zu den Herren des Metiers, den eigentlichen.

Schumacher muss dafür nicht einmal siegen, wo er doch alles gewinnen kann: Verehrung über seine fahrerische Klasse hinaus, bleibende Zuneigung über Deutschland hinaus. Wenn er diesmal keinen von der Piste schiebt und nicht vor allem seinen Ehrgeiz nach vorne, dann wird er größer. Menschlich.

Am Ziel ist er noch nicht.

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