Sport : Kommentar: Revolution in der Nische

Robert Ide

Nein, so kann es nicht weitergehen. Radfahren, Radfahren, Radfahren - mehr ist nicht los in der Welt des Sports. Alle interessieren sich nur noch für das verschwitzte Siegerlächeln von Lance Armstrong und den hilflosen Antritt von Jan Ullrich. Aber was ist mit Handball? Mit Segeln? Mit Hockey? Alles vergessen. Dabei finden gerade im Nischensport die großen Revolutionen statt. Zum Beispiel im Tischtennis.

Was wissen wir von dieser Sportart? Wir kennen die kleinen schnellen Bälle. Und wir kennen das schöne Geräusch, mit dem sie auf der Tischtennis-Platte aufschlagen. Kla-Klack, Kla-Klack. Dieser Ton beruhigt. Durch seine Regelmäßigkeit, durch seinen Hall. Eine japanische Elektronik-Band namens "The Fantastic Plastic Machine" hat aus diesem Geräusch mal ein ganzes Lied gemacht. Ein schönes Lied war das.

Doch die Zeit der elektronischen Musik ist vorbei. Und die Zeit des Tischtennis wohl auch. Wie sonst ist der Hilferuf des Fachblattes "Deutscher Tischtennis Sport" zu verstehen, das in der aktuellen Ausgabe fragt: Wie sexy ist Tischtennis? Auf sechs Seiten klagen die Autoren, wie langweilig die Sportler mit der Kelle aussehen. Nationalspielerin Elke Schall ruft zur Revolution am eigenen Körper auf: "Habt Mut zum Stoffwechsel!" Schall will keine Schlabber-Hemden mehr, sie will einen Rock. Oder einen Body. Schließlich würden die Kolleginnen vom Tennisplatz auch chic daherkommen. "Und da sind nicht alle gertenschlank."

Doch so einfach ist die Wiederbelebung eines verschwundenen Sports nicht. Da wären die Regeln, die das Spielen im Body verbieten. Da wäre die Angst der Funktionäre vor einem Stoff namens Polyester. Und da wären die Röcke, bei deren Anprobe Spielerin Christina Fischer erschrocken feststellte: "Die haben ja gar kein Innenhöschen."

Er ist beschwerlich, der Weg aus der Nische. Wir geben zurück zur Tour.

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