Kommentar : Schlaft schön, Doper!

In Spanien darf es nachts keine Dopingkontrollen mehr geben. Friedhard Teuffel erklärt das Land deshalb zum neuen Doping-Paradies.

Friedhard Teuffel

Jeder Mensch hat das Recht auf ausreichend Schlaf. Auch dann, wenn er des Betrugs verdächtigt wird und vielleicht nur nachts überführt werden kann. So sieht es wohl jedenfalls die spanische Regierung und hat einen Erlass verabschiedet: keine Dopingkontrollen zwischen 23 Uhr und 8 Uhr.

Wer dopt und trotzdem gut schlafen will, muss also nach Spanien fahren. Spanien ist damit die neue Schutzzone für Manipulateure – ja, man könnte sagen, Spanien ist wie eine riesige Fixerstube für Dopingsüchtige. Denn einige hoch wirksame Dopingmittel sind schon nach wenigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Noch schnell eine Pille vor dem Zubettgehen – dann kann am nächsten Morgen der Kontrolleur gerne kommen. Früher mussten Athleten mit Lust auf eine Epo- oder Anabolika-Kur bis nach Südafrika oder Mexiko reisen, um nicht erwischt zu werden. Jetzt bietet ihnen Spanien ein Asyl für die Nacht.

Tatsächlich kann Schlaf gerade Dopern gut tun, die unter den Nebenwirkungen zu leiden haben. Und das Kontrollsystem mutet den Athleten ohnehin schon hohe Verluste ihrer Privatsphäre zu. Wenn es jedoch so weitergeht, kann die Welt-Anti-Doping-Agentur ihren Laden bald dichtmachen. Wozu werden noch aufwendige Testprogramme und Nachweisverfahren gebraucht, wenn etwa Spanien sie nicht umsetzen will? Das Land übrigens, in dem eines der größten internationalen Dopingnetzwerke zu Hause war und wo nicht einmal diese Affäre ganz aufgeklärt wurde. Dazu will auch der Welt-Fußballverband seine Athleten nicht im Urlaub testen. Auch Urlaub braucht der Mensch schließlich. Nur könnte es sein, dass sich der Sport von so viel Schlaf und Urlaub nicht mehr erholt.

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