Kommentar : Sonnenschein mit Regenschirm

Anke Myrrhe erklärt, warum es in Wimbledon keine Schauer mehr gibt.

Anke Myrrhe

Jeder kennt das Spiel: Wer bei strahlend blauem Himmel aus der Haustür geht – selbstverständlich ohne Regenschirm –, der wird schon bald von den ersten Tropfen überrascht. Wer allerdings bei tiefgrauen Wolken das Haus verlässt und gewissenhaft den Knirps in den Rucksack steckt, der kann sich sicher sein: Heute fällt kein Regen. Murphys Gesetz nennen das die einen, Schicksal die anderen. Jedenfalls scheint sich diesem unerklärlichen Gesetz niemand so recht entziehen zu können.

Auch nicht die Veranstalter des Tennisturniers in Wimbledon. Und so schauen viele Kritiker dieser Tage schmunzelnd nach London, wo der traditionsreiche Centre Court in diesem Jahr quasi einen überdimensionierten Regenschirm in Form eines schicken neuen Faltdachs erhalten hat. Zwei Jahre hat der Bau gedauert und 120 Millionen Euro verschlungen – zahlreiche Diskussionen über den Verlust von Tradition und das Fernsehdiktat selbstverständlich eingeschlossen.

Denn vor allem die Zuschauer vor den Fernsehern mussten sich allzu oft mit den Klassikern von Björn Borg gegen John McEnroe begnügen, weil das aktuelle Geschehen im All England Lawn Tennis & Crocket Club mal wieder in den Londoner Schauern unterging. Für Medienvertreter war es ratsam, im Vorfeld schon einmal eine Geschichte über die neuen Outfits von Maria Scharapowa und Co. vorbereitet zu haben, denn die Regentage ohne berichtenswerte Neuigkeiten schienen im verregneten London obligatorisch. All das soll nun Geschichte sein. Der neue Centre Court trotzt allen meteorologischen Widrigkeiten.

Doch kaum ist das Dach installiert und feierlich eingeweiht von den ehemaligen Größen dieses Sports, scheinen alle Wetterkonstanten widerlegt: Es regnet einfach nicht mehr in Wimbledon. Die Sonne strahlt über dem Centre Court, Vorhersage bis Freitag: 30 Grad Celsius Hitze und dauerhafter Sonnenschein.

Und doch wird diese Jahr nur ein meteorologisches Zwischenspiel bleiben. Denn dass es in London ab sofort nie wieder regnet, das ist dann doch äußerst unwahrscheinlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben