Kommentar : Tennis in Berlin: Bloß nicht im Sand verlaufen

Michael Stich und der LTTC Rot-Weiß wollen von 2015 an ein Tennisturnier der Frauen in Berlin veranstalten. Eine Anlage steht bereit, trotzdem stellt sich unserem Autor die alles entscheidende Frage: Wer soll das bezahlen?

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Sabine Lisicki erreichte 2013 das Wimbledon-Finale und machte Deutschland damit Tennisverrückt.
Sabine Lisicki erreichte 2013 das Wimbledon-Finale und machte Deutschland damit Tennisverrückt.Foto: dpa/picturealliance

Als Sabine Lisicki im Sommer in Wimbledon bis ins Finale stürmte, war Tennis plötzlich wieder eine Nummer in Deutschland. Und in Berlin wurde schon laut von einem neuen Turnier auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß geträumt. 2008 fanden hier zuletzt die German Open der Frauen statt, seither ist das Areal mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben.

Doch diesmal könnte sich tatsächlich etwas tun. Michael Stich hat sich mit seiner Agentur und dem LTTC Rot-Weiß um die Lizenz für ein Frauenturnier ab 2015 beworben. Zwischen den Grand Slams in Paris und Wimbledon gibt es dann eine Woche mehr Zeit. Das wäre die Chance für Berlin. Allerdings wohl kaum mit einem Sandplatzturnier. Sollen in Berlin auch die besten Spielerinnen dabei sein, geht das nur mit einem Rasenevent.

Dass nun ausgerechnet Michael Stich die Pläne unterstützt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Stich, der mit seiner Agentur auch die German Open der Männer veranstaltet, stritt sich vor ein paar Monaten noch heftig mit dem Deutschen Tennis-Bund über die Zukunft des Traditionsturniers am Hamburger Rothenbaum. Der DTB wollte ab 2015 lieber auf Rasen spielen und drängte Stich zu einer entsprechenden Bewerbung. Doch der lehnte ab, unter anderem wegen der viel zu hohen Kosten bei der Umrüstung der Plätze von Sand auf Gras.

Für Berlin soll das nun alles kein Problem mehr sein. Schließlich sei es ja auch im Interesse der Stadt, die marode Tennisanlage zu nutzen, sagt Stich. So weit, so richtig. Doch dass gerade das chronisch klamme Berlin viel Geld in dieses Projekt investiert, ist eher unwahrscheinlich. Das muss das Tennis schon alleine leisten. Sonst verläuft auch diese große Idee trotz aller Begeisterung am Ende im Sand.

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