Kommentar : Theo Zwanziger: Sein Fehler

Bisher war Theo Zwanziger ein guter DFB-Präsident. Bisher. Robert Ide über einen Funktionär und seinen Kampf um die Ehre.

Robert Ide

Theo Zwanziger ist ein verdienter DFB-Präsident. Er hat Verkrustungen im Deutschen Fußball-Bund aufgebrochen und ihn gesellschaftlich aufgewertet. Nun erwägt er seinen Rücktritt, weil er sich mit einem Journalisten streitet, ob der ihn einfach so „Demagoge“ nennen darf. Unabhängig davon, dass Zwanziger alles andere als ein Demagoge ist, wirft der juristisch-öffentliche Furor, den er in dieser nebensächlichen Frage an den Tag legt, eine viel gewichtigere Frage auf: Ist Theo Zwanziger wirklich ein guter DFB-Präsident?

Bisher fiel als Antwort ein Ja nicht schwer. Bisher.

Zwanziger hat sich viele Verdienste erworben. Unter seiner Ägide hat der DFB seine Rolle im Nationalsozialismus aufgearbeitet und kämpft nun konsequent gegen rechts. Persönlich setzt sich der Verbandschef gegen die schwelende Homophobie im Profifußball ein, fast übereifrig fördert er den Frauenfußball. Wie kein anderer hat Zwanziger die gesellschaftliche Bedeutung seines Sports erkannt und wandelt sie in Verantwortung um. Selbst fußballerisch ist der deutsche Fußball in der Moderne angekommen: mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft, mit einem beliebten Bundes trainer, der auch klare Kante zeigen kann, und mit Charakterköpfen wie Matthias Sammer in der Führungsspitze.

Nun allerdings ist der Präsident dabei, die Erfolge selbst zu überdecken. Indem er einen Konflikt zur DFB-Chef sache erklärt, der das nicht wert ist. Indem er öffentliche Souveränität und die für ein solch wichtiges Amt nötige Gelassenheit vermissen lässt. Zwanziger verliert sich hier in persönlicher Betroffenheit. Das ist sein Fehler.

Der DFB-Präsident tut sich gerade persönlich keinen Gefallen. Und auch dem Verband nicht, dem er vorsteht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben