Sport : Kommentar: Touchdown in der New Economy

Ingo Wolff

Jetzt ist auch die NFL schon drin. Die reichste Sportliga der Welt hat das Internet als gewinnbringendes Medium erkannt und lässt sich diese Erkenntnis immer teurer bezahlen. 310 Millionen Dollar kassiert die nordamerikanische Footballliga vom Medienkonzern AOL Time Warner für die Vermarktung ihrer Internetseite. Die bisherige Summe aus dem Vertrag mit dem US-Sportsender ESPN verzehnfacht sich. Und das, obwohl die New Economy sonst kaum noch Anleger zum Einstieg motiviert. Leidet der Mediengigant also an Größenwahn oder ist die Investition nur der berühmte antizyklische Einstieg in einen Wachstumsmarkt?

Erinnern wir uns rund 40 Jahre zurück - als die laufenden Bilder die Wohnzimmer eroberten. Kaum einer hat damals daran gedacht, dass Fernsehen irgendwann zum Massenmedium werden könnte. Die NFL schon und wagte den Einstieg für wenig Geld. Heute verdient die Footballliga mehr am Fernsehen als jede andere Sportart der Welt - mit Verträgen in immer astronomischeren Höhen. Nun tritt das Internet in unser Heim und wieder zweifelt so mancher Investor, der sein Geld auf dem Neuen Markt verloren hat, am neuen Medium. Doch inzwischen suchen immer mehr, indem sie in den Computer tippen: www ...

6,4 Millionen User haben im vorigen Oktober die Seite der NFL angeklickt - ein Spitzenwert für eine Informationsseite und bester Wert im US-Sport. Diesen Wert lässt sich die NFL eben angemessen bezahlen und zeigt nur: das Internet ist auf dem Weg zu einem normalen Medium für Sportinteressierte. Qualität setzt sich auch im Internet durch, ebenso wie in der Fernsehübertragung in den Jahren zuvor. Auch hier bekommen nur noch diejenigen Sportarten viel Geld, die auch viel zu bieten haben. Wer wenig Interessantes bietet, fliegt raus oder kommt eben nicht rein. Das hat die NFL erneut als erstes erkannt und wirbt mit ihrem erfolgreich eingeführten Markennamen. Zudem ist im TV-Bereich das Ende der Gigantomanie fast erreicht. Das Internet bietet dagegen noch finanzielle Wachstumschancen - allerdings nur für den, der drin ist.

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