Kommentar und Leserdebatte : Belügt sich der Fußball beim Thema Doping selbst?

Doping im Fußball? Das bringt nichts. So jedenfalls lautet die lange verbreitete Mär. Damit muss Schluss sein, findet unser Autor. Doch unabhängige Kontrollen gibt es bis heute nicht. Was glauben Sie, liebe Leser, belügt sich der Fußball selbst?

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Dopingkontrollen im Fußball werden vom Verband selbst durchgeführt.
Dopingkontrollen im Fußball werden vom Verband selbst durchgeführt.Foto: dpa

Der Mythos hat die Jahrzehnte überlebt und beeinflusst nun die Debatte der Gegenwart. Doping, so die lange verbreitete Meinung, bringe im Fußball nichts. Passgenauigkeit, Spielverständnis, Ballsicherheit – all diese elementaren Bestandteile des Spiels lassen sich durch keinerlei Mittel positiv beeinflussen.

Mit dieser Mär muss Schluss sein. Der Fußball belügt sich ansonsten selbst. Natürlich stimmt es: Wer keinen Ball über drei Meter spielen kann, der wird auch nicht durch chemische Hilfe zum Filigrantechniker. Hier aber zeigt sich das mangelnde Bewusstsein vieler Fußballer für Doping. Sie projizieren ihr Verständnis dafür zu sehr auf die Leichtathletik oder den Radsport. Doping ist nicht nur, was einen schneller rennen oder länger radeln lässt.

Einen unerlaubten Vorteil verschafft sich auch der, der durch die Einnahme bestimmter Substanzen plötzlich aggressiver auftritt oder dessen Muskeln sich schneller erholen als die des Gegners. Hier kommt der Fußball ins Spiel. Spitzenspieler müssen heute alle drei Tage Topleistungen bringen, Regeneration ist ein großes Thema.

Nur wer soll den Fußball kontrollieren? Wer traut sich an die nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht mächtigste aller Sportarten heran? Bisher niemand. Unabhängige Kontrollen gibt es derzeit nicht, in der Bundesliga ist der DFB für die Tests mitverantwortlich. Aber welcher Verband will schon sein eigenes Produkt beschmutzen? Fakt ist, dass es in 50 Jahren Bundesliga nur wenige dokumentierte Dopingfälle gibt. Daran wird sich unter den bisherigen Voraussetzungen auch wenig ändern.

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