Kommentar : Und wie spricht man das aus?

Ästhetik und Dynamik sollen vermittelt werden: Helen Ruwald entziffert die Zahl 20Elf und den Slogan der Frauen-WM.

Helen Ruwald

Eins vorneweg: Auf Englisch klingt es besser. The beautiful side of 20eleven verbreitet wenigstens etwas mehr Leichtigkeit und Lockerheit als 20Elf von seiner schönsten Seite. So lautet der gestern mit vielen Superlativen preisgegebene Slogan der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland. Unverkennbar, griffig und pfiffig findet ihn die sonst so überzeugende und mitreißende Organisationschefin Steffi Jones, er vermittle die Ästhetik und Dynamik des Frauenfußballs. Unverkennbar ist er – allerdings unverkennbar sperrig. Eine zerstückelte Jahreszahl, aus zwei Ziffern und einem Wort montiert, optisch befremdend und so ausgesprochen wie in deutschen Landen keiner spricht: 20Elf. Wieso 20Elf? Klingt wie eine wörtliche, aber schauderhafte Übersetzung aus dem Englischen, wo 20eleven durchaus gebräuchlich ist.

Schön, dass der DFB so sehr an die Teams, Gäste und Fernsehstationen aus aller Welt denkt. Noch schöner wäre es gewesen, würde sich das Erkennungsmerkmal der WM, von der viele in diesem Land noch gar nichts mitbekommen haben, auch in deutschen Gehirnen verankern. Diese Chance ist erstmal vertan.

Die deutschen Weltmeisterinnen möchten nicht mit dem Team von Joachim Löw verglichen werden, sie pochen darauf, dass sie eine andere Art von Fußball spielen und beide WM-Turniere in ihrer Art ganz verschieden sind. Doch bei aller Eigenständigkeit hätte es sich für die erfolgreichen Frauen gelohnt, sich von den Männern inspirieren zu lassen: Wie viel einprägsamer war Die Welt zu Gast bei Freunden, auf Englisch Time to make friends. Freie Übersetzungen gehörten zur Strategie. Schade, dass es 2011 nicht so ist.

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