Kommentar : Unsanft geweckt

Mathias Klappenbach über das Ende eines Traums von Joseph S. Blatter

Mathias Klappenbach

Joseph S. Blatter gehört sicher nicht zu den beliebten Sportfunktionären. Sei es, weil er in seiner selbstherrlichen Art und in regelmäßigen Abständen die Abschaffung des Elfmeterschießens oder die Einführung des dritten und vierten Schiedsrichterassistenten fordert oder sei es, weil er im Bestechungsskandal um den Vermarkter ISL schwer belastet wurde. Es gibt aber auch ein paar lobenswerte Anliegen, um die sich der Präsident des Fußball-Weltverbandes bemüht. Die Fifa engagiert sich stark im Kampf gegen Rassismus und für soziale Streetsoccer-Projekte auf der ganzen Welt, und dass Blatter es als sein Vermächtnis ansieht, zum ersten Mal eine Fußball-WM nach Afrika gebracht zu haben, ist ebenfalls als Verdienst zu betrachten.

Schon 2006 wollte Blatter Südafrika als Ausrichter, jetzt aber scheint das Land vier Jahre später nicht bereit für eine WM zu sein. Nicht wegen der Infrastrukturmängel. Sondern wegen der großen Sicherheitsprobleme, die nicht nur die generell hohe Kriminalitätsrate betreffen, sondern – ausgerechnet – auch die pogromartigen, ausländerfeindlichen Ausschreitungen gegen die Einwanderer aus Simbabwe.

Blatters Drohung mit den Ersatzausrichtern entspricht nicht nur der Angst, das schöne Bild von einem Fußballfest in einem lachenden Afrika zu verlieren. Sie ist eine vorbauende und absichernde Aufforderung an die Politik, die Probleme in den Griff zu bekommen. Wie das geschafft werden soll, ist derzeit nicht zu erkennen. Vielleicht muss sich Blatter von seinem großen Traum verabschieden. Es ist klug von ihm, schon einmal aufzuwachen.

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