Kommentar : Versuch und Irrtum

Bundestrainer Frank Menz ist ist nicht gelungen, eine Mannschaft mit Perspektive aufzubauen, findet unser Autor. Warum die Basketball-EM nicht nur wegen der schwachen Ergebnisse ein Misserfolg war.

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Diese Basketball-Europameisterschaft in Slowenien sei nicht wichtig, hat der Deutsche Basketball-Bund schon vor dem ersten Sprungball betont. Folglich schmerzt es die obersten deutschen Basketballer angeblich nicht, dass die EM für ihr Team trotz einer leichten Gruppe nach der Vorrunde beendet ist. Der gestrige Erfolg (80:76) gegen Israel nützte längst nichts mehr. Der Verband hofft sogar, mittels Wild Card doch noch zur WM 2014 zu gelangen. Und ein Ziel sei sogar erreicht worden, sagt der Bundestrainer, die Mannschaft habe viel gelernt. Und damit hat er recht: Alle haben lernen können, wie man es besser nicht macht.

Es wird jetzt noch klarer, dass nicht viele aus der aktuellen Mannschaft die ungleich wichtigere EM 2015 spielen werden. Der Verband hofft dann vielmehr auf Dirk Nowitzki und die vier anderen deutschen NBA-Akteure, hinzu könnten EM-Pausierer wie Daniel Theis oder Jan Jagla kommen. Oder Niels Giffey, der einzige echte Gewinner von Slowenien. Die Mehrzahl der Spieler aber müsste nach dem Prinzip Versuch und Irrtum die Chance auf weitere Großereignisse verspielt haben. Das müsste auch für den neuen Bundestrainer Frank Menz gelten.

Eigentlich sollte man dem aus dem Nachwuchsbereich stammenden jungen Bundestrainer mehr als nur einen kurzen, von Absagen geprägten Sommer zugestehen. Und vielleicht bekommt er diese Chance mit der WM 2014 ja auch. Die EM 2015 aber ist zu wichtig, um über seine Probleme in Slowenien einfach hinwegzugehen: Es ist Frank Menz nicht gelungen, eine Mannschaft mit Perspektive aufzubauen; auch entwickelte sein Team zu selten Leidenschaft, nur bei den Erfolgen über Frankreich und Israel stimmte die Kampfbereitschaft. Und was am wichtigsten ist: Wenn schon die zweite Reihe der Nationalspieler seine Autorität infrage stellt, wie bei der EM zu besichtigen war, wie soll sich Frank Menz bei den NBA-Spielern durchsetzen, von denen Dennis Schröder und Tim Ohlbrecht nicht gerade zu den einfachsten Charakteren gehören? Wenigstens diese Frage muss den Verband schmerzen.

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