Kommentar : Verunsicherung leicht gemacht

Torjäger Mario Gomez kommt bei den Bayern nur noch von der Bank. Benedikt Voigt erklärt, wie man einem Spieler das Selbstvertrauen nimmt.

Benedikt Voigt

Beim FC Bayern München ist in diesen Tagen eine Lehrstück zu besichtigen. Es lautet: Wie verunsichert man ohne Not einen Fußball-Nationalstürmer, der in der vergangenen Saison 24 Bundesligatore erzielt hat? Das Lehrstück geht wie folgt: Man lasse den Spieler in den ersten zwei Pokal- und fünf Bundesligaspielen sechs Tore schießen – und fange trotzdem an, ihn in der Halbzeitpause auszuwechseln. Falls ihn das noch nicht nachdenklich macht, stelle man ihn in der Champions League erst gar nicht auf, sondern wechsle ihn eine gute halbe Stunde vor dem Ende ein. Dasselbe wiederhole man in der Bundesliga, etwa beim 0:1 in Hamburg, schon ist es vollbracht: Fortan spürt der Nationalstürmer wenig Selbstvertrauen – und viel Wut.

Sollte er es nun wagen, sich darüber in der Öffentlichkeit zu beschweren, werden ihn die Altvorderen des deutschen Fußballs abwatschen. Er solle aufhören zu jammern, wird er sich von Günter Netzer anhören müssen, er sei von der hohen Ablösesumme belastet, wird Uli Hoeneß ihm zurufen, und Karl-Heinz Rummenigge wird ihm raten, aufzuhören, die Dinge falsch zu bewerten. Wobei man gerne mal wissen würde, wie Rummenigge die Dinge wohl bewertet hätte, wenn sie ihm selber passiert wären. Der Vorstandsvorsitzende der Bayern könnte in diesem Zusammenhang eigentlich auch mal erklären, wer für das konfliktträchtige Überangebot in der Münchner Offensive verantwortlich ist. Stattdessen aber rät er seinem Spieler, hart zu arbeiten und Vollgas zu geben. Falls Mario Gomez mal wieder spielen darf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar