Kommentar : Wagnis mit Selfmademan

Die Österreicher übernehmen nun endgültig Mercedes. Christian Hönicke kommentiert das Engagement von Toto Wolff als neuer Motorsportchef.

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Österreich, Land der Silberpfeile. Nach dem Aufsichtsratschef Niki Lauda wird mit dem neuen Motorsportchef Toto Wolff nun der zweite wichtige Posten im Formel-1-Team von Mercedes mit einem Mann aus unserem Nachbarland besetzt. Doch nicht der Pass ist es, der eine komplette Konzeptwende bei Mercedes anzeigt. Das Unternehmen hat sein Formel-1-Engagement nun quasi völlig ausgegliedert. Kein treuer Firmendiener wacht mehr über die Silberpfeile, wie es lange Norbert Haug getan hat. Stattdessen sollen es nun ein gut vernetzter Grand-Prix-Veteran und ein aufstrebender Selfmademan richten. Das macht einerseits Sinn. Die Bürokratie eines Weltkonzerns lähmt den schnelllebigen Formel-1-Betrieb nur. BMW ignorierte dies, am Ende war der Ausstieg folgerichtig.

Andererseits darf man die Frage stellen, ob das Duo Lauda/Wolff tatsächlich geeignet dafür ist, Mercedes den erhofften WM-Titel zu bringen. Lauda hat seit seinem Rauswurf bei Jaguar vor mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr verantwortlich in der Formel 1 gearbeitet, Wolff bei Williams gerade einmal ein halbes Jahr. Sie müssen nun beweisen, dass ihnen Mercedes das Formel-1-Engagement, das mehr als 250 Millionen Euro pro Jahr kosten soll, zu Recht anvertraut hat. Viel Zeit werden beide nicht haben. Denn mindestens eine Entscheidung wird am Ende doch in der Firmenzentrale in Stuttgart getroffen: die über den Verbleib in der Formel 1.

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