Kommentar : Warum Claudia Pechstein wieder in die Sportfördergruppe gehört

Claudia Pechstein will wieder in die Sportfördergruppe der Bundespolizei aufgenommen werden - obwohl sie schon 39 ist und eine Dopingsperre abgesessen hat. Warum ihr Anliegen trotzdem unterstützt werden sollte, erklärt Friedhard Teuffel in seinem Kommentar.

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Eine 39 Jahre alte Athletin mit großem Talent zur ungeschickten Selbstdarstellung und abgesessener Dopingsperre will zurück in die Sportfördergruppe der Bundespolizei. Mit Hilfe von Steuergeld soll sie sich also noch einmal auf internationale Höhepunkte vorbereiten dürfen. Das Anliegen von Claudia Pechstein klingt erst einmal absurd. Und ist dennoch berechtigt.

Gegen eine Förderung der Eisschnellläuferin sprach vor gar nicht allzu langer Zeit einiges. Ein Dopingverdacht vor allem und die fehlende Chance, an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Diese beiden Gründe sind derzeit kaum noch zu halten. Bis heute sind kein Dopingmittel und keine Dopingmethode aufgetaucht, die Pechsteins erhöhte Retikulozytenwerte im Blut erklären könnten. Im Gegenzug haben mehrere unabhängige Hämatologen festgestellt, dass die auffälligen Blutwerte mit höchster Wahrscheinlichkeit auf eine erblich bedingte Anomalie zurückzuführen sind. Vieles deutet inzwischen darauf hin, dass die zweijährige Dopingsperre gegen sie nicht hätte ausgesprochen werden dürfen.

Auch eine große sportliche Perspektive tut sich für Pechstein gerade wieder auf. Denn der Internationale Sportgerichtshof hat vor kurzem eine Regel gekippt, die Athleten nach einer Dopingsperre den Start bei den folgenden Olympischen Spielen verbot. Pechstein könnte also 2014 in Sotschi starten, mit dem Gewinn von zwei WM-Medaillen in diesem Jahr hat sie gezeigt, dass sie dafür vielleicht auch gut genug wäre.

Bleibt als Makel Pechsteins persönliches Auftreten. Doch sie wird nicht die einzige Athletin in der Sportfördergruppe sein, deren Begabung für Sport größer ist als die, andere für sich einzunehmen.

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