Kommentar : Wenn die Spannung erfriert

Besonders spannend verspricht der Titelkampf in der Bundesliga nicht mehr zu werden. Die Bayern lassen sich die Meisterschaft wohl kaum noch nehmen. Dominik Bardow glaubt jedoch, dass das nichts mit mangelnder Konkurrenz zu tun hat.

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Die Bayern streiten in dieser Saison allenfalls mit sich selbst um den Titel. Foto: AFP
Die Bayern streiten in dieser Saison allenfalls mit sich selbst um den Titel.Foto: AFP

Die Meisterschaft, damit sei hier kein Geheimnis verraten, ist entschieden. Der Bayernvorsprung beträgt elf Punkte auf Leverkusen, 14 auf Dortmund und 15 auf Schalke. Die Münchner werden nicht mehr spektakulär einbrechen, eine Rückrunde dauert eben länger als eine Nachspielzeit gegen Manchester oder ein Elfmeterschuss gegen Chelsea.

Es dürfen also bereits Kränze geflochten werden, um Bayern zu feiern und die Spannung zu Grabe zu tragen. Statt aber Klagelieder zu singen, wie in jedem periodisch wiederkehrenden Bayerndominanzjahr, sollte man an der Spannung eine Obduktion durchführen, um die Todesursache zu ermitteln.

Sie liegt nicht im Mangel an Konkurrenz – die gab es, theoretisch zumindest. Sie war nur zu stark abgelenkt, um ihr eigenes Ableben zu bemerken. Die Konkurrenz war auf Europareise, und wer nun feiert, dass sie da geschlossen überwintert, der vergisst, dass sie darüber die Spannung erfrieren ließ. Vor einem Jahr lag der Fokus von Dortmund, Schalke, ja auch von Leverkusen und Gladbach noch ganz darauf, die Ligaspitze warm und umkämpft zu halten. Dieses Jahr haben sich die Prioritäten etwas verschoben.

Man kann es niemandem vorwerfen, sich auf die Champions League oder die Qualifikation dafür zu fokussieren. Nur dort verdient man das Geld, um sich langfristig einen Kader zu leisten, der multitaskingfähig der Bundesliga und Europa einheizt. Wie Bayern. Aber für die daheim fröstelnde Spannung wäre es besser gewesen, die Verfolger wären zu Hause geblieben und hätten Scheite in den Ofen gelegt.

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