Kommentar : Wenn Spannung im Fußball zur Nebensache wird

Nach Dortmunds Sieg auf Schalke geben die Bayern den Meisterkampf verloren - und spielen auch so. Jörg Leopold ärgert sich über fernsehbedingte Fußball-Langeweile.

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Der Schlusspfiff war das spannendste Ereignis beim Topspiel zwischen Bayern und Mainz. Auch Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger wartete sehnsüchtig auf diesen.
Der Schlusspfiff war das spannendste Ereignis beim Topspiel zwischen Bayern und Mainz. Auch Bayern-Sportdirektor Christian...Foto: dapd

Das Fernsehen macht’s möglich: Aus dem als Topspiel des 31. Spieltages angepriesenen Spätnachmittagduell des FC Bayern mit Mainz 05 wurde ein grandioser Langweiler. Weil Dortmund am früheren Nachmittag bereits auf Schalke gewonnen hatte, erklärten Jupp Heynckes und seine Spieler den Meisterschaftskampf kurzerhand für verloren. Die spätere Anstoßzeit nutzte der Bayern-Trainer vor allem dazu, seine Stars vor dem Spiel gegen Real Madrid zu schonen. Kapitän Philipp Lahm schaute dem lustlosen Treiben 90 Minuten lang von der Bank zu, Franck Ribéry, Mario Gomez und Toni Kroos wurden immerhin noch eingewechselt.

Die Taktik ging auf: Keiner der Leistungsträger verletzte sich. Dass es nur zu einem 0:0 gegen Mainz reichte, war Nebensache – zumindest für die Bayern. Die Mainzer hingegen freuten sich über einen nicht unbedingt eingeplanten Punkt im Kampf um den Klassenerhalt, der vor der Niederlage der Kölner am Sonntag so sicher noch nicht war.

Wie das Spiel wohl gelaufen wäre, wenn die Bayern zeitgleich mit den Dortmundern um 15.30 Uhr angefangen hätten? Allein der Gedanke an eine Einblendung der Schalker Führung im Münchner Stadion lässt Raum für attraktive Mutmaßungen.

Dass das Fernsehen bestimmt, wer wann spielt, daran haben sich die Fans in der Vergangenheit gewöhnen müssen. Dass es sich nun auch noch selbst die Spannung am Fußball nimmt, ist neu. Am nächsten Samstag spielt Bayern um 15.30 Uhr in Bremen und muss gewinnen, um noch theoretische Titelchancen zu haben. Anderenfalls ist Dortmund Meister – ohne einen Fuß auf den Rasen bewegt zu haben. Denn der BVB spielt erst drei Stunden später gegen Mönchengladbach. Und während die Dortmunder feiern, könnte der Gegner ganz nebenbei drei wichtige Punkte im Fernduell um die direkte Qualifikation zur Champions League gegen Schalke einfahren. Das Fernsehen macht’s möglich.

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