Kommentar : WM in Deutschland und Frankreich - doppelt schlecht?

In vier Jahren wird die Eishockey-Weltmeisterschaft gleichzeitig in Paris und Köln gespielt. Doch kann sich der Weltverband von diesem Turnier wirklich einen Schub erhoffen?

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In vier Jahren wird die Eishockey-Weltmeisterschaft gleichzeitig in Paris und Köln gespielt. Am Freitag gab der Weltverband den Nachbarländern für 2017 den Zuschlag – und sofort bejubelten Verantwortliche beider nationaler Verbände die historische Dimension der Entscheidung. Doch kann sich der Weltverband von dem Turnier in den beiden Kerneuropastaaten Frankreich und Deutschland wirklich einen Schub erhoffen? Zumal es ja en vogue ist, internationale Meisterschaften international austragen zu lassen – siehe die quer über den Kontinent verstreute Fußball-EM 2020? Eher nein als ja. Denn so etwas kann im Eishockey nur schwer funktionieren.

Eine WM in dieser Sportart hat schon dadurch weniger Wert, dass sie jährlich ausgetragen wird. Nun musste der Fan bereits ertragen, dass zwei Mal hintereinander in Helsinki und Stockholm gespielt wurde. Für 2017 hatte sogar das Doppel Dänemark/Lettland gegen die Übermacht aus Mitteleuropa kandidiert. Die Erfahrung zeigt, dass sich so eine gesplittete Veranstaltung auf große Entfernung verliert. In der kleinen Slowakei war die WM 2011 ein landesweites Volksfest, ein Jahr zuvor hatte schon in Hamburg kaum ein Mensch mitbekommen, dass in Gelsenkirchen, Köln und Mannheim Eishockey-WM gespielt wurde.

Dass sich der Deutsche Eishockey-Bund nun wieder ohne Berlin als Austragungsort bewarb, ist erstaunlich. Es entsteht der Eindruck, dass der klamme Verband nach 2010 schnell ein weiteres finanzträchtiges Turnier haben wollte – und das ging besser mit dem Vehikel Frankreich als allein. Frankreich, eine leise aufstrebende Eishockeynation, hätte ein Turnier zu 100 Prozent mehr genützt als die Doppelveranstaltung – bei der das Finale, natürlich, in Deutschland stattfinden wird.

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