Kommentar zu Claudia Pechstein : Späte, aber souveräne Entschuldigung des DOSB

Der Sport beginnt sich im Fall Claudia Pechstein ehrlich zu machen. Doch es gibt noch Betonköpfe. Das könnte Folgen haben, meint Tagesspiegel-Sportchef Friedhard Teuffel in seinem Kommentar.

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Allen Grund zur Freude. Nach ihrem Sieg vor dem Oberlandesgericht München, hat sich nun der DOSB bei ihr entschuldigt.
Allen Grund zur Freude. Nach ihrem Sieg vor dem Oberlandesgericht München, hat sich nun der DOSB bei ihr entschuldigt.Foto: dpa

Claudia Pechstein ist Unrecht widerfahren. Das war schon länger klar. Ein Wissenschaftler nach dem anderen hatte Pechstein eine vererbte Blutanomalie attestiert und keine Hinweise auf Doping gefunden. Aber die Organisationen des Sports hatten sich lange verschanzt hinter dem Urteil des höchsten Sportgerichts. Jetzt hat der Deutsche Olympische Sportbund Pechsteins Unschuld anerkannt. „Claudia Pechstein gilt aus unserer
Sicht als Opfer. Man kann nur um Entschuldigung bitten“, hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann gesagt. Das ist eine späte, aber souveräne Haltung. Die Einschätzungen der noch einmal vom DOSB befragten Wissenschaftler zum Fall Pechstein liegen schon seit Jahren vor. Doch Hörmann ist erst seit gut einem Jahr Präsident des Dachverbands des deutschen Sports. Die Bewegungslosigkeit seines Verbandes davor hat er nicht zu verantworten.

Der Sport beginnt sich in Teilen ehrlich zu machen. Zum Teil allerdings nicht ganz freiwillig. Erst vor wenigen Tagen hat das Oberlandesgericht München das Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof, dem höchsten Sportgericht in Zweifel gezogen. Inzwischen ist also nicht mehr Pechstein das Problem, sondern das Gericht, das ein zweijähriges Berufsverbot gegen sie verhängt hat. Es dämmert manchem Funktionär im Sport, dass es nicht so weitergehen kann. Betonköpfe gibt es allerdings auch noch.

Das sind vor allem die Verantwortlichen der Internationalen Eislauf-Union (ISU). Sie beharren immer noch auf ihrer widerlegten Position. Nachzuvollziehen ist das gleichwohl, denn dem Verband droht eine Existenzkrise. Pechstein hat die ISU schließlich auf mehrere Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Äußerst legitim angesichts der vielen Startgelder und Werbeeinnahmen, die ihr durch die Sperre entgangen sind.

Es gibt Sportler, die gelten als Symbolfigur für die Fehlentwicklungen des Spitzensports. Ben Johnson ist einer von ihnen. Warum sollte nicht auch einmal ein Sportverband aus dem Verkehr gezogen werden? Als Bestrafung für die Anmaßung, sich selbst über das Recht gestellt zu haben.

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