Kommentar zu Jürgen Klopp : Der Dämon an der Seitenlinie

Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp trifft die Sperre für seinen Wutausbruch hart, zumal es sein erstes Vergehen im Europapokal war. Aber Klopp hat zwei Seiten, meint unser Autor.

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Der Vulkanausbruch von Neapel: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp bei seinem Wutausbruch in der Champions League.
Der Vulkanausbruch von Neapel: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp bei seinem Wutausbruch in der Champions League.Foto: dpa

Jürgen Klopp liebt den Fußball, er liebt seinen Beruf und er liebt es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. All das wird ihm also fehlen, wenn seine Mannschaft in einer Woche ihr erstes Heimspiel dieser Champions-League-Saison bestreitet. Dass die Spieler von Borussia Dortmund dann auf die Handreichungen ihres Trainers verzichten müssen, ist für 90 Minuten wahrscheinlich zu verschmerzen; dass Klopp hingegen an der Entfaltung seiner Persönlichkeit gehindert wird, trifft ihn vermutlich hart. Es rührt an seinem Selbstverständnis, und das ist, vor allem im Sinne seiner Resozialisierung, eine gute Nachricht.

Klopp ist Wiederholungstäter. In der Bundesliga ist er mehrfach als Dämon an der Seitenlinie aufgefallen und wegen ungebührlichen Verhaltens mit Geldstrafen in einer Gesamthöhe von rund 45 000 Euro belegt worden. Angesichts seines vermuteten Gehalts dürfte ihn das nicht allzu sehr geschmerzt haben. Anders als die Strafe, mit der die Uefa jetzt seine ästhetisch fragwürdige Attacke auf den vierten Offiziellen in Neapel geahndet hat. Es war im Europapokal sein erstes Vergehen dieser Art, trotzdem hat der europäische Verband Klopp hart sanktioniert.

Dortmunds Trainer ist eine der beliebtesten Gestalten im deutschen Fußball: Er ist witzig, eloquent und charmant. Aber es gibt eben auch die andere Seite, die Klopp zu selten unter Kontrolle hat. An seiner naturgegebenen Physiognomie, wie er selbst es glauben machen will, liegt das sicher nicht. Klopp hat Ausstrahlung, und zwar im doppelten Sinne. Die Folgen sind jedes Wochenende bei jedem x-beliebigen Spiel zu beobachten: Wenn lauter Mini- Klopps meinen, sie müssten jetzt auch mal gegen den Schiedsrichter wüten.

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