Kommentar zu RB Leipzig : Tradition ist ein Verdienst

Am Freitagabend startet für RB Leipzig die Saison in der Dritten Liga. Unser Autor Dominik Bardow gratuliert den Leipzigern zum Profifußball, fragt sich aber, ob er auf Dauer bleibt.

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Die Fans von RB Leipzig wollen ihr Team auch in der Dritten Liga feiern.
Die Fans von RB Leipzig wollen ihr Team auch in der Dritten Liga feiern.Foto: dpa

Die Vorfreude steigt in Leipzig. Am Freitag startet der Rasenballsportverein in die erste Saison im nationalen Profifußball; auch wenn die Dritte Liga offiziell Amateurklasse ist und RB am Freitag erstmal auswärts in Halle spielt. Die Freude ist Leipzig zu gönnen, einer sportbegeisterten Stadt, die seit fast 20 Jahren auf friedlichen Profifußball wartet.

Gleichzeitig steigt die Ablehnung, je näher der vor vier Jahren als Werbeträger gegründete Verein der Bundesliga kommt. Gerade Fans von so genannten Traditionsvereinen empören sich.

Warum eigentlich? „Tradition ist kein Verdienst“, sagte Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz nun in einem seltenen Interview der „Leipziger Volkszeitung“, „der einzige Unterschied zwischen dem FC Barcelona, Bayern München und RB Leipzig ist in 500 Jahren der, dass diese Klubs 600 Jahre alt sind und wir 500 Jahre.“ Denn: „Alt werden die Dinge von alleine.“

Alle Profisportvereine sind mittlerweile Werbeträger. Sie werden als Projektions- und Propagandafläche genutzt von Städten, Regionen, Politikern und Unternehmen, öffentlichen und privaten. Der Unterschied ist, dass man sich bei anderen Klubs längst daran gewöhnt hat.

Mateschitz hat in einem Punkt Unrecht: Tradition ist ein Verdienst. Wer 100 Jahre alt ist, der hat es immerhin geschafft, 100 Jahre durchzuhalten. Es ist offen wie lange die Fußballfiliale in Leipzig dem österreichischen Getränkehersteller in die berufsjugendliche Marketingstrategie passt. Die Leipziger dürfen im Verein zwar nicht mitbestimmen, aber sich vorerst einfach mal freuen, dass der Profifußball zu Gast ist. Doch Gäste bleiben selten 500 Jahre lang.

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