Kommentar zum Hamburger SV : Mehr Profi als Kumpel

Mit der Beurlaubung von HSV-Trainer Thorsten Fink hat Oliver Kreuzer alle persönliche Loyalität hinten angestellt und getan, was ein Sportdirektor tun muss. Nämlich das Beste für Mannschaft und Verein. Ein Kommentar.

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Oliver Kreuzer (links) verdient für seine Entscheidung Respekt, findet unser Autor.
Oliver Kreuzer (links) verdient für seine Entscheidung Respekt, findet unser Autor.Foto: dpa

Die wirklich interessante Nachricht aus Hamburg betrifft nicht die Entlassung des Trainers Thorsten Fink. Dazu gab es spätestens nach der verheerenden Vorführung vom Samstag in Dortmund keine Alternative. Die wirklich interessante Nachricht ist, dass der Hamburger SV einen Sportdirektor hat. Der Mann heißt Oliver Kreuzer und wurde bisher nur als bester Kumpel des Trainers wahrgenommen, als dessen persönliche Arbeitsplatzerhaltungsmaßnahme. Fink hat Kreuzer im Sommer selbst ausgesucht und beim Vorstand gegen die Konkurrenz des in der Bundesliga etablierten Jörg Schmadtke durchgesetzt. Im Ernstfall aber hat Kreuzer alle persönliche Loyalität hintangestellt und getan, was ein Sportdirektor tun muss, nämlich das Beste für Mannschaft und Verein.

Dafür verdient er Respekt. Kreuzer hatte wenig Einfluss auf die Zusammenstellung der Mannschaft, die Trainerentlassung war seine erste strategische Entscheidung. Er muss für das geradestehen, was vor ihm die Herren Bernd Hoffmann und Frank Arnesen angerichtet haben. Deswegen ist es auch nicht fair, den steten Niedergang des Klubs allein an Thorsten Fink festzumachen. Der HSV hat sein Schicksal mit Duldung aller Gremien an einen Mann verkauft, der damit ebenso überfordert ist, wie es der vormalige Trainer mit der Taktiktafel war. Vielleicht denkt Rafael van der Vaart immer noch, er sei ein Spielmacher von Weltformat und die 13 Millionen Euro wert, die der HSV vor einem Jahr an Tottenham Hotspur überwiesen hat. Auf dem Platz ist davon wenig zu sehen. Im modernen Fußball ist kein Platz für vermeintliche Strategen, deren Strategie sich darauf reduziert, alle Kraft aufzusparen für zwei oder drei Momente der Inspiration.

Die langfristige Investition in van der Vaart nimmt dem hoch verschuldeten Verein auf absehbare Zeit jeglichen finanziellen Spielraum. Dieses Risiko ist der HSV sehenden Auges eingegangen, ja, er hat sich geradezu erpressen lassen von einem milliardenschweren Fan, der einmal Sportdirektor spielen wollte. Diesen Job aber kann Oliver Kreuzer besser.

Kann Kreuzer diesen Job aber auch gut genug, um aus dem Hamburger SV mittelfristig wieder eine ernstzunehmende sportliche Größe in der Bundesliga zu machen? Dafür braucht es schon ein bisschen mehr als nur eine unbequeme strategische Entscheidung.

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