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Kommentar zum Trainerjob beim SC Paderborn : Stefan Effenberg, ein Star, der sich schlägt

Stefan Effenberg trainiert den SC Paderborn. Beim Zweitligisten geht er ins Risiko, aber kann sich beweisen. Die Zusammenarbeit ergibt Sinn. Ein Kommentar.

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Der Tag X naht: Stefan Effenberg steht vor seiner ersten Traineranstellung im Fußball. Foto: dpa
Der Tag X naht: Stefan Effenberg steht vor seiner ersten Traineranstellung im Fußball.Foto: dpa

Neulich saß Stefan Effenberg in Berlin auf dem Podium. Er sprach als Stargast viel über den FC Bayern, damals und heute. Aktiv macht der 47-Jährige ja nicht mehr viel im Sportbereich, Effenberg ist zuletzt ins Entertainmentfach gewechselt, irgendwo zwischen Sky und „Schlag den Star“, obwohl er eine Trainerlizenz besitzt und interessiert an Angeboten sei, wie er betonte. „Der Tag X wird kommen!“, versprach er.

Nun ist der Tag X gekommen. Der SC Paderborn bestätigte die Verpflichtung Effenbergs als neuen Coach am Dienstag. Nach Gesprächen in der Präsidentenvilla auf Mallorca unterschrieb er einen Vertrag bis 2017. Am Mittwoch soll er schon sein erstes Training leiten.

Es ist der erste Trainerjob für den Ex-Nationalspieler, der bisher wie Jens Lehmann oder Oliver Kahn vom Ruhm aus Spielerzeiten lebt, obwohl sie alle die Lizenz zum Coachen hätten. Warum auch den eigenen Ruf riskieren? Als Fernsehkritiker muss man schließlich nicht beweisen, dass die eigenen Thesen und Analysen stimmen, als Trainer schon.

„Der erste Schuss muss sitzen“, weiß Effenberg. Sonst endet er wie Lothar Matthäus, Mario Basler oder Mehmet Scholl, deren erste Trainerstationen schnell die letzten waren. Ein großer Name garantiert einem Klub zwar große Aufmerksamkeit, aber nicht gleich große Leistungen. Zuletzt waren Quereinsteiger ohne große Profikarriere wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel deutlich erfolgreicher und gefragter.

Beide Seiten könnten von einer Zusammenarbeit profitieren

Es ist bedenklich, aber letztlich unerheblich, dass die Boulevardpresse vorab von den Verhandlungen informiert wurde, ob nun Effenberg oder vom Verein. Beide Seiten könnten wirklich von einer Zusammenarbeit profitieren.
Paderborn braucht nach dem Bundesliga-Abstieg Aufmerksamkeit und, laut eigener Aussage, einen Trainer mit harter Hand. Bisher hatten die Ostwestfalen kaum bekannten, innovativen Coaches wie Roger Schmidt, André Breitenreiter und Jos Luhukay vertraut, für die Paderborn zum Sprungbrett wurde.

Video: Ein möglicher Co-Trainer für Effenberg?

Das könnte es auch für Effenberg. Es ehrt in, dass er aus München in die Provinz zieht, um sich für kleines Gehalt in der Zweiten Liga zu beweisen. Das muss er wohl auch, um seriösen Bundesligisten zu zeigen, dass es ein Fehler war, bisher die Finger von Effenberg zu lassen. Denn so streitbar er als Spieler war, ist er es wohl auch als Coach. In Paderborn muss er nun sein Ego unterordnen lernen.

Und demütig dazulernen. Auf dem Podium in Berlin warf er mit alten Phrasen wie „Mentalität schlägt Talent“ um sich, als wären es die neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnisse. Nach ihm sprach übrigens Thomas Tuchel über seine wohldurchdachte Trainerphilosophie, es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Falls nun, da Tag X gekommen ist, kann Effenberg beweisen, dass seine Thesen und Analysen stimmen. Und dass er auch als Trainer ein Star ist, der sich gut schlägt, mit Mentalität und Talent.

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