Kommentar zur Einführung des Freistoßsprays : Immer am Kern vorbei

An diesem Wochenende wird erstmals das Freistoßspray zum Einsatz kommen - obwohl das Establishment dieser technischen Neuerung erst einmal skeptisch gegenüber stand. Wie immer. Ein Kommentar.

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Punkt, Punkt, Komma, Strich: Ab diesem Wochenende kommt in der Bundesliga das Freistoßspray zum Einsatz.
Punkt, Punkt, Komma, Strich: Ab diesem Wochenende kommt in der Bundesliga das Freistoßspray zum Einsatz.Foto: Imago

Es ist wirklich bemerkenswert, wie flexibel der deutsche Fußball manchmal doch sein kann. Als die Weltmeisterschaft in Brasilien gerade erst begonnen hatte und das globale Publikum sich noch am theatralischen Umgang der Schiedsrichter mit dem sogenannten Freistoßspray erfreute – da verkündete Herbert Fandel als oberster Dienstherr der deutschen Schiedsrichter, dass er die Einführung des Sprays in der Bundesliga für nicht notwendig erachte. Vier Monate später, an diesem Wochenende, wird es im deutschen Berufsfußball erstmals zum Einsatz kommen.

Das Ganze folgt einem ewig wiederkehrenden Muster: Allen Neuerungen, vor allem den technischen, steht das Establishment erst einmal grundsätzlich skeptisch gegenüber. Was anderswo längst etabliert ist, setzt sich hierzulande nur schleppend durch. Vielleicht ist das Freistoßspray tatsächlich nicht notwendig, aber hilfreich ist es in jedem Fall – vor allem für die Schiedsrichter. Die Befürchtungen, dass sein Einsatz das Spiel nervtötend verzögern könnte, haben sich als haltlos erwiesen. Stattdessen hat das Spray den Schiedsrichtern ein Stück Autorität zurückgegeben, die von den Profis immer wieder mit Trippelschritten in Frage gestellt worden war.

Um den Kern des Spiels schleicht der Fußball immer noch irgendwie unschlüssig herum

Trotzdem bleibt ein Beigeschmack. Wie immer eigentlich im deutschen Fußball, so betrifft auch diese Neuerung nur einen vermeintlich unwichtigen Randbereich. Um den Kern des Spiels (Tor oder nicht Tor?) schleicht der Fußball immer noch irgendwie unschlüssig herum. Die Torlinientechnik ist von den Vereinen der Bundesliga gerade erst mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden. In dieser elementaren Frage muss weiterhin allein das menschliche Auge des Schiedsrichters entscheiden. Doch die Einführung des Freistoßsprays ist der beste Beweis, dass auch eine starre Haltung nicht bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben muss. Vielleicht löst auch sie sich irgendwann ins Nichts auf – wie das weiße Spray auf dem grünen Rasen.

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