Kommentar zur Snooker-WM : Niederlage von Superstar O'Sullivan tut dem Sport gut

Am Montagabend wurde Mark Selby Weltmeister im Snooker. Dabei gilt sein Gegner Ronnie O’Sullivan als talentiertester Spieler seiner Sportart. Für ihn mag der Ausgang der Partie schlecht sein, dem Sport tut es gut. Ein Kommentar.

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Selby (l.) und O’Sullivan.
Selby (l.) und O’Sullivan.Foto: imago/Michael Cullen

Nicht immer gewinnt im Sport der vermeintlich Beste seines Faches. Das ist auch im Snooker so. Am Montagabend wurde Mark Selby Weltmeister – durch einen Sieg im Finale gegen Ronnie O’Sullivan. Der gilt als der talentierteste Spieler, den sein Sport bisher gesehen hat. O’Sullivan ist ein Virtuose am Tisch, er locht die Kugeln mit atemberaubendem Tempo und unfassbarer Präzision ein. Aus seinen bisherigen fünf WM-Finals ist er fünfmal als Sieger hervorgegangen. Nun ist O’Sullivan von einem Spieler geschlagen worden, den er in seiner Autobiografie "Running" als "Folterknecht" bezeichnet hat. Denn Selby hat eine andere Auffassung von Snooker. Er ist ein Taktiker, einer, der den Gegner zermürbt und sich festbeißt. Im Endspiel lag Selby bereits 5:10 zurück, am Ende gewann er 18:14.

Sportart ist um große Rivalität reicher geworden

Ein würdiger Weltmeister ist Selby dennoch. Das gab O’Sullivan nach dem Match unumwunden zu. Eine Wachablösung im Snooker auszurufen, wäre allerdings verfrüht. Zum einen, weil Selby schon seit längerem zur Weltspitze zählt, zum anderen ist O’Sullivan auch mit 38 Jahren immer noch gut genug, um weiter um große Titel mitzuspielen. Vielmehr ist der Sport um eine große Rivalität reicher geworden. Eine Rivalität, die Snooker durchaus gebrauchen kann.

Starke Gegner machen die Besten noch besser

Für O’Sullivan war es in den vergangenen Jahren einfach zu leicht, die Konkurrenz zu beherrschen. 2013 ließ er die ganze Saison aus, nur um dann bei der WM alle in Grund und Boden zu spielen. Gut für O’Sullivan, schlecht für das Spiel. Denn die Dominanz eines Einzelnen ist selten ein gutes Fundament für eine Sportart. Roger Federer ist nur ein so großer Tennischampion geworden, weil er in Rafael Nadal den perfekten Gegenspieler gefunden hat. Muhammad Ali gilt nicht nur wegen seiner Ringschlachten gegen Joe Frazier oder Goerge Foreman als größter Boxer, sondern auch, weil er nach Niederlagen immer wieder aufstand.

Starke Gegner machen die Besten ihres Sports immer noch ein bisschen besser. Und dass oft sogar weit über das eigene Karriereende hinaus.

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